Nach der deutschen Kolonialisierung gerieten die deutsche Architektur und die deutsche Kolonialgeschichte insgesamt lange Zeit aus dem Blickfeld. Stattdessen konzentrierte man sich auf die Zeit nach dem Nationalsozialismus, verstanden als die „Stunde Null“ der deutschen Gewaltgeschichte. Seit den 1960er Jahren wird die Kolonialgeschichte verstärkt erforscht. Einige Aspekte, die in den letzten Jahren in den Mittelpunkt der Forschung gerückt sind, sind die Sammlung von Kulturgütern und die Architektur, die für die Beherrschung und so genannte Entwicklung der Kolonie entscheidend waren. Bislang wurden diese Aspekte getrennt voneinander behandelt, obwohl sie zwei Seiten derselben Medaille darstellen. Mehr als ein Jahrhundert nach der Entkolonialisierung ist zu untersuchen, wie sie im kollektiven Gedächtnis oder in der Geschichtsschreibung in Deutschland und Kamerun behandelt und in vielfältiger Weise (wieder-)angeeignet werden. Was sind die Motive und einige der architektonischen und infrastrukturellen Entscheidungen, auf denen diese postkolonialen Aneignungsmuster beruhen? In diesem Beitrag wird argumentiert, dass die Formen der (Wieder-)Aneignung kolonialer Architektur eine gewisse Amnesie widerspiegeln, die die koloniale Gewalt ausblendet und dazu neigt, die Mythen von der Güte des Kolonialismus zum Nachteil post- und dekolonialer Umlernprozesse aufrechtzuerhalten.
Fossi et al. (Thu,) studied this question.