Rotatorenmanschettenrisse zählen zu den häufigsten muskuloskelettalen Erkrankungen, wobei die operativen Reparaturraten in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen haben. Trotz Fortschritten in der Operationstechnik bleiben Re-Ruptur-Raten insbesondere bei großen und massiven Rissen ein erhebliches Problem. Die postoperative Rehabilitation ist ein entscheidender Faktor für die Sehnenheilung und die funktionelle Wiederherstellung, doch besteht kein Konsens über den optimalen Zeitpunkt der aktiven Mobilisierung. Die zentrale Debatte konzentriert sich darauf, ob frühe Bewegung Steifheit reduziert, dabei aber höhere Re-Ruptur-Raten verursacht, oder ob eine verzögerte Immobilisierung eine überlegene Sehnenheilung ermöglicht, ohne die Langzeitfunktion zu beeinträchtigen. Im Februar 2026 wurde eine systematische Suche in PubMed (MEDLINE), der Cochrane Library (CENTRAL) und Google Scholar durchgeführt. Eingeschlossen wurden Studien, die frühe aktive oder passive Mobilisierung (Beginn innerhalb von 1-4 Wochen) mit verzögerter Mobilisierung (≥4-6 Wochen Immobilisierung) nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion verglichen. Berücksichtigt wurden Re-Ruptur-Raten, Schmerzen gemessen mittels visueller Analogskala (VAS), funktionelle Scores wie der American Shoulder and Elbow Surgeons (ASES) Score, Constant Score, University of California, Los Angeles (UCLA) Shoulder Rating Scale, Western Ontario Rotator Cuff (WORC) Index und Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH) Fragebogen sowie der Bewegungsumfang. Das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane Risk of Bias 2 Tool für randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und der Newcastle-Ottawa-Skala (NOS) für Kohortenstudien bewertet; die Evidenzsicherheit wurde narrativ mittels des GRADE-Rahmens beurteilt. Zwölf Studien (10 RCTs und 2 Kohortenstudien; insgesamt 1.255 Patienten) erfüllten die Einschlusskriterien. Neun Studien, die Re-Ruptur-Raten berichteten, fanden keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen frühen und verzögerten Mobilisierungsgruppen. Schmerzwerte waren in den meisten Studien vergleichbar, wobei zwei Studien geringere Schmerzen in der Frühmobilisierungsgruppe zeigten. Funktionelle Ergebnisse zeigten überwiegend keine signifikanten Langzeitunterschiede; einige berichteten jedoch kurzfristige Vorteile durch frühe Mobilisierung. Frühzeitige Mobilisierung verbesserte durchgehend den Bewegungsumfang im Kurzzeitverlauf (6 Wochen bis 3 Monate), insbesondere in der Vorwärtsflexion und Außenrotation, wobei diese Vorteile meist nach 6-12 Monaten abnahmen. Insgesamt scheint eine frühe aktive Mobilisierung nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion die Re-Ruptur-Raten nicht zu erhöhen und bietet kurzzeitig Vorteile im Bewegungsumfang gegenüber der verzögerten Mobilisierung, während die Langzeitfunktion zwischen den Protokollen vergleichbar bleibt. Bei Patienten mit großen Rissen und fortgeschrittener fettiger Infiltration sollte jedoch Vorsicht gelten, was individuelle Rehabilitationsansätze basierend auf Rissgröße und Gewebequalität unterstützt.
Hassaan et al. (Tue,) untersuchten diese Fragestellung.