ZUSAMMENFASSUNG Die Fähigkeit, die Reaktionen der Biodiversität auf den fortschreitenden Umweltwandel vorherzusagen, hängt davon ab, inwieweit Merkmale im Verlauf der evolutionären Geschichte konserviert werden. Die Untersuchung der Beziehung zwischen Merkmalen und Phylogenie bietet wesentliche Einblicke in die Einschränkungen und Strukturen, die die evolutionäre Geschichte auf die Merkmale ausübt. Wir quantifizieren die Stärke des phylogenetischen Signals (PS) in Trichoptera-Merkmalen als Indikator für evolutionäre Muster vom phylogenetischen Konservatismus zur evolutionären Labilität. Wir haben hypothetisiert, dass das Bauverhalten, die Futtergruppe, die Atmung, die Fortbewegung und die Körperflexibilität ein starkes PS aufweisen würden, was mit phylogenetischem Konservatismus übereinstimmt. Im Gegensatz dazu haben wir hypothetisiert, dass Körpergröße, Körperform und Voltinismus ein schwaches PS aufweisen würden, was mit evolutionärer Labilität übereinstimmt. Wir haben Daten zu brasilianischen Gattungen von Trichoptera aus dem Taxonomischen Katalog der Fauna von Brasilien und Daten zu acht Merkmalen, die über 28 Kategorien mit diesen Gattungen verbunden sind, zusammengestellt. Wir rekonstruieren einen phylogenetischen Baum von brasilianischen Trichoptera-Gattungen basierend auf einer veröffentlichten Hypothese. Wir schätzten das PS in den Merkmalen der Trichoptera mithilfe von K-mult-Statistiken. Voltinismus, Körpergröße und Körperform wiesen mehr evolutionäre Labilität auf als Bauverhalten, Körperflexibilität, Fortbewegung, Atmung und Futtergruppenmerkmale, wobei Familien und Unterordnungen in ihrer Merkmalszusammensetzung überlappend waren. Wir kamen zu dem Schluss, dass Trichoptera-Merkmale ein Kontinuum vom phylogenetischen Konservatismus zur evolutionären Labilität abdecken und dass das Erkennen der Stärke der evolutionären Einschränkungen auf diese Merkmale die Vorhersage ihrer Reaktionen auf den fortlaufenden Umweltwandel informieren könnte. Durch die Integration phylogenetischer und merkmalsbasierter Perspektiven zeigt diese Studie, dass die Stärke der evolutionären Einschränkungen selbst innerhalb eines einzelnen Insektenordnungs erheblich variieren kann. Dies unterstreicht die Bedeutung der evolutionären Geschichte für das Verständnis der Merkmalsverteilungen und die Vorhersage, wie sich Süßwasser-Assemblagen auf Umweltveränderungen reagieren könnten.
Menegat et al. (Fri,) untersuchten diese Frage.