Zusammenfassung Im Vergleich zu anderen Subdisziplinen der Naturschutzwissenschaft bleibt die Naturschutzphysiologie etwas nascent. Obwohl es eine wachsende Anzahl von Erfolgen gibt, bei denen physiologische Konzepte, Wissen und Werkzeuge Entscheidungen im Naturschutz und Managementmaßnahmen beeinflusst haben, gibt es auch eine Reihe von Herausforderungen. Wir argumentieren, dass es eine Reihe von Missverständnissen gibt, die de facto Barrieren für die Realisierung des vollen Potenzials der Naturschutzphysiologie als zielorientiertes Gebiet der wissenschaftlichen Untersuchung und Praxis darstellen. Wir schlagen jedoch auch vor, dass diese Missverständnisse leicht ausgeräumt werden können. In diesem Papier identifizieren und widerlegen wir 10 'Mythen' in der Naturschutzphysiologie: (i) die Naturschutzphysiologie umfasst andere Disziplinen und hat keine einzigartigen Ziele; (ii) der Werkzeugkasten ist zu invasiv; (iii) die Werkzeuge sind zu spezialisiert; (iv) das Feld verlässt sich zu stark auf Stellvertreter und Studien mit gefangenen Tieren; (v) physiologische Informationen können nicht vom individuellen auf das Population-Level skaliert werden; (vi) Basisdaten (d.h. Kontrolldaten) sind zu spärlich; (vii) die Naturschutzphysiologie ist zu spekulativ; (viii) Manager interessieren sich nicht für Physiologie; (ix) die Naturschutzphysiologie kann keine fundamentalen Wissenschaftler einbeziehen; und (x) die Naturschutzphysiologie kann keine Naturschutzprobleme lösen. Da einige dieser Missverständnisse anhaltende Barrieren darstellen, identifizieren wir auch Möglichkeiten, diese weiter zu überwinden. Insbesondere ist die Annahme von Co-Produktion und der Austausch von Wissen entscheidend, um relevantes und umsetzbares Wissen zu generieren. Ebenso sind wir der Meinung, dass die Spannung zwischen Grundlagen- und angewandter Wissenschaft nicht inhärent störend ist und dafür sorgt, dass eine starke Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen gegeben ist. Dieses Papier soll die Augen und Köpfe von Ökologen, Physiologen und Endnutzern dafür öffnen, was die Naturschutzphysiologie zu bieten hat und wie man diese Chancen realisieren kann. Gemeinsam und kollaborativ zu arbeiten, um die gemeinsame Mission der Naturschutzphysiologie zu erreichen, wird nicht nur der Naturschutzwissenschaft, sondern auch der Biodiversität und der Gesellschaft zugutekommen.
Madliger et al. (Thu,) haben diese Frage untersucht.