Das "1/0" (Top/Bottom) System hat lange die chinesische Schwulenkultur dominiert und fungiert als eine starre semiotische Infrastruktur, die sexuelle Rollen durch heteronormative Geschlechternormen und hegemoniale Männlichkeit organisiert. Das kürzliche Aufkommen von "Side" - einem Label für Männer, die hauptsächlich nicht-penetrativen Sex haben - stellt eine Störung dieser binären Ordnung dar. Anhand einer konstruktivistischen Grounded Theory und tiefgehenden Interviews mit 15 schwulen Männern in China, die sich als "Side" identifizierten oder es praktizierten, untersucht diese Studie die gelebten Bedeutungen dieser Identität innerhalb einer digitalisierten Partnervermittlungslandschaft. Unsere Ergebnisse zeigen, dass "Side" nicht lediglich als sexuelle Präferenz konstruiert wird, sondern als eine vielschichtige Strategie des Wohlbefindens, des Widerstands und der digitalen Handlungsmacht. Erstens artikulierten die Teilnehmer "Side" als eine Praxis des körperlichen Komforts und der psychologischen Sicherheit, wobei sich das Paradigma von einem leistungsorientierten "homosexistischen" Skript zu einem wohlfühlzentrierten Ethos verschiebt. Zweitens fungiert "Side" als diskursive Schutzschild gegen die Effeminophobie und internalisierten Hierarchien, die im 1/0-System inhärent sind, und stellt die Reproduktion patriarchaler Machtverhältnisse in gleichgeschlechtlicher Intimität in Frage. Schließlich, innerhalb des algorithmischen Umfelds von Dating-Apps, wird "Side" als taktisches Werkzeug für "Daten-Gaming" eingesetzt, damit Individuen strategisch Sichtbarkeit navigieren und relationale Erwartungen managen können. Durch die Entkopplung sexueller Legitimität von penetrativen Akten deutet das Aufkommen von "Side" auf eine wichtige und noch entfaltende Entwicklung in zeitgenössischen chinesischen schwulen Gemeinschaften hin, die Raum für flexiblere und wohlfühlzentrierte Auffassungen von Intimität eröffnet.
Cao et al. (Tue,) untersuchten diese Fragestellung.