Seit Dekaden werden zunehmend automatisierte Systeme entwickelt, die Menschen in alltäglichen und professionellen Entscheidungen unterstützen. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie Menschen angemessen mit diesen Systemen interagieren. Das Konstrukt Vertrauen gilt dabei als Schlüsselfaktor. Viele Modelle gehen von einem kausalen Zusammenhang zwischen Vertrauen und Verhalten aus, doch empirische Belege dafür sind rar. Ein Grund dafür könnte sein, dass diese Untersuchungen eine der Grundbedingungen der Definitionen von Vertrauen entweder nicht oder nur unzureichend berücksichtigt haben: die Vulnerabilität der Person, die vertraut. In vielen Studien hatten Fehler keine Folgen für die Teilnehmenden. Ziel dieser Dissertation war es, diese Lücke zu schließen und den Zusammenhang zwischen Vertrauen und Verhalten unter Risiko zu untersuchen. Dafür wurde das Virtual Reality Testbed for Risk and Automation Studies (ViRTRAS) entwickelt, mit dem Risiko über variable Höhen und potenzielle Stürze manipuliert werden kann. Die Manipulation erwies sich als wirksam. In der ersten Anwendung von ViRTRAS wurde überprüft, wie Risiko Vertrauen und Verhalten beeinflusst. Der Effekt der Funktionsallokation konnte repliziert werden, zeigte sich unter Risiko jedoch abgeschwächt. Das berichtete Vertrauen blieb unverändert. Die dritte Studie prüfte schließlich mithilfe von Mediationsmodellen, ob Vertrauensmaße den Zusammenhang zwischen Systemreliabilität und Verhalten erklären. Nur ein Single Item Vertrauensmaß vermittelte diesen Zusammenhang und nur unter Risiko. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass situatives Risiko notwendig ist, damit Vertrauensmaße prädiktiv für das Verhalten sind. Zugleich eignen sich diese Maße selbst unter Risiko nur bedingt als Stellvertreter des tatsächlichen Interaktionsverhaltens. Risiko in das Studiendesign zu integrieren stärkt nicht nur die externe Validität im Allgemeinen, sondern stellt speziell für die Vertrauensforschung eine Grundvoraussetzung dar.
Steffen Hösterey (Wed,) studied this question.