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Im Mittelalter gab es keinen heiligen König in Polen. Obwohl die Piast-Politik zur nordosteuropäischen Peripherie (Ost-Mitteleuropa und Skandinavien) gehörte, wo im Wesentlichen alle nach 1000 n. Chr. gebildeten politische Einheiten dynastische, hingerichtete heilige Herrscher einheimischen Ursprungs hatten, haben die Piasten niemals ein Mitglied ihrer Familie in eine solche Position erhoben. Der vorliegende Artikel nimmt diese rätselhafte Ausnahme als Ausgangspunkt, um das Argument weiterzuentwickeln, dass der episkopale heilige Patron Polens böhmischen Ursprungs - St. Adalbert (ca. 956-997) - in vielerlei Hinsicht als eine Version von Marshall Sahlins' Fremdkönig interpretiert werden kann. Durch die Kombination anthropologischer Theorie und vergleichender Beweise untersucht der Artikel die lokal produzierten hagiographischen Quellen vom zwölften bis zum fünfzehnten Jahrhundert, um zu zeigen, wie der heroische Status von St. Adalbert und die retrospektiv erfundene ethnische und sakrale Andersartigkeit für die Zwecke der institutionellen und königlichen Legitimität gegenüber dem polnischen Volk ausgenutzt wurden. In seinen Schlussfolgerungen argumentiert der Artikel, dass Konzepte und vergleichende Methoden aus der politischen Anthropologie uns helfen können, die Kategorie der heiligen Herrscher neu zu überdenken und neue Wege des Lesens hagiographischer Quellen als politische Traktate anzubieten.
Wojtek Jezierski (Fri,) hat diese Frage untersucht.