Hintergrund: HER2-positiver Brustkrebs stellt einen bestimmten Subtyp der Erkrankung dar, der durch ein aggressiveres biologisches Verhalten, aber auch durch eine starke Empfindlichkeit gegenüber Anti-HER2-gerichteten Therapien gekennzeichnet ist. Die Einführung neoadjuvanter Behandlungen, die Chemotherapie und Anti-HER2-Mittel kombinieren, hat das Patientenmanagement erheblich transformiert, indem hohe Raten an pathologischer kompletter Remission (pCR) erreicht wurden, die mittlerweile als wichtiger prognostischer Indikator anerkannt ist. Methoden: Wir führten eine retrospektive Studie über einen Zeitraum von fünf Jahren durch, vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2024, in der medizinischen Onkologieabteilung unseres Zentrums. Das Ziel war es, die klinischen, therapeutischen und Ergebnismerkmale von Patienten mit lokalisiertem HER2-positivem Brustkrebs zu evaluieren, die eine neoadjuvante Behandlung erhalten hatten. Ergebnisse: Insgesamt wurden 87 Patienten eingeschlossen, mit einem Medianalter von 49 Jahren (Bereich 27-72); 63% waren prämenopausal, 8% hatten Bluthochdruck und 6,9% Diabetes. Tumoren waren T1c-T4 (3,9-33,3%), wobei 54,9% eine lymphatische Beteiligung aufwiesen. Alle Patienten hatten lokalisiertes invasives duktales Karzinom, HER2 3+ oder 2+ verstärkt durch FISH; 51% waren hormonrezeptorpositiv und 55,8% hatten Ki-67 >20%. Alle erhielten sequentielle Chemotherapie (AC60/EC100 Taxane) mit Trastuzumab (90% subkutan) und Pertuzumab in 63%. Die Chirurgie umfasste Mastektomie mit axillärer Dissektion (58,8%) und brusterhaltende Chirurgie (41,2%). pCR wurde in 54,9% erreicht; unter den nicht-pCR-Patienten war die Restkrankheit ypT1 (56,5%), ypT2 (26,1%), ypT3 (17,4%), und ypN+ (30,4%). Patienten, die pCR erreichten, waren häufiger prämenopausal (71,4% vs. 60,9%) und hatten eine höhere lymphatische Beteiligung (64,3% vs. 43,5%). Alle erhielten eine adjuvante Therapie; nur 30,4% der nicht-pCR-Patienten erhielten T-DM1 aufgrund eingeschränkter Verfügbarkeit. Bei der Nachuntersuchung befanden sich 90,2% in kompletter Remission, während 9,8% rückfällig wurden, überwiegend nicht-pCR-Patienten (80%). Schlussfolgerungen: Die pathologische komplette Remission (pCR) ist ein entscheidender prognostischer Faktor bei lokalisiertem HER2-positivem Brustkrebs, wobei pCR-Patienten eine bessere ereignisfreie Überlebensrate aufweisen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer effektiven neoadjuvanten Therapie und den Zugang zu Anti-HER2-Behandlungen.
Alevizopoulos et al. (2026) haben diese Fragestellung untersucht.