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Hebammen arbeiteten an der Schnittstelle zwischen staatlichem Eingreifen und den biografischen Wendepunkten von Schwangerschaft, Geburt und frühem Elternsein. Mit der Einführung der verpflichtenden Einschaltung einer Hebamme für jede Geburt im Jahr 1938 monopolierte der nationalsozialistische Staat die Tätigkeiten der Hebammen und stärkte deren Position als Experten für Geburtshilfe. Insofern waren Hebammen unverzichtbar für die Umsetzung der Germanisierungsstrategie in Bezug auf Fortpflanzung im nationalsozialistisch besetzten Westpolen während des Zweiten Weltkriegs. Neuere Studien über das besetzte Polen weisen auf den engen Zusammenhang zwischen Besatzung und Rassenpolitik, zwischen Germanisierungsstrategie und Völkermord hin. Doch nur wenige Autoren berücksichtigen geschlechtsspezifische Aspekte der Besatzungspolitik oder analysieren das Alltagsleben und die Interaktionen zwischen ethnischen Gruppen im besetzten Polen. Basierend auf den Biografien von drei Hebammen, einer deutschen, einer polnischen und einer jüdischen, beleuchtet dieser Artikel den weiblichen Raum von Schwangerschaft, Geburt und frühem Elternsein als einen entscheidenden Ausgangspunkt für Biopolitik und Germanisierungsstrategie. Er wirft damit Licht auf die geschlechtsspezifischen Realisierungen der Besatzungspolitik und deren Auswirkungen auf das Alltagsleben. Sowohl Germanisierung als auch Mutterschaft waren für die nationalsozialistische Politik in den annektierten polnischen Gebieten von Bedeutung, und die Untersuchung, wie sich die Rollen von deutschen, polnischen und jüdischen Hebammen veränderten, öffnet ein Fenster dafür, wie Rasseneinstufungen im 'privaten Bereich' von Schwangerschaft und Geburt vollzogen wurden.
Wiebke Lisner (Mon,) hat diese Frage untersucht.