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Die umstrittene Rede vom 13. Oktober 2022, in der er die Europäische Union (EU) als ‚Garten‘ im Gegensatz zum ‚Dschungel‘ draußen beschrieb, hat eine beispiellose Menge an Aufmerksamkeit erhalten. Dennoch war die Metapher, die der Hohe Vertreter der EU für Außenpolitik und Sicherheit sowie der Vizepräsident der Europäischen Kommission, der für ‚ein stärkeres Europa in der Welt‘ zuständig ist, verwendete, nicht neu, noch war ihre zugrunde liegende Logik eine Überraschung. Verschiedene Analysten haben in den Diskursen europäischer Entscheidungsträger in den letzten Jahrzehnten auf koloniale Tropen hingewiesen. In einem einflussreichen Essay, der im Jahr 2000 veröffentlicht wurde, stellte Sir Robert Cooper, der später auch Berater des Rates der EU, des Europäischen Auswärtigen Dienstes und der Europäischen Kommission wurde, die ‚postmoderne‘ EU vor, in der die Rechtsstaatlichkeit herrscht, im Gegensatz zu ‚prermodernen‘ Staaten, in denen das ‚Gesetz des Dschungels‘ vorherrscht. Dies veranschaulicht, wie der Mainstream der politischen Diskurse der EU ist und bleibt, stark kolonial ist in der Art und Weise, wie die Beziehungen zwischen der EU und ihren vermeintlichen ‚Anderen‘ in der Weltpolitik konzipiert werden. Bemerkenswerter ist die Intensität der Debatte und Verurteilung, die Borrells Rede in politischen und akademischen Kreisen ausgelöst hat. Dies spiegelt ein wachsendes Bewusstsein wider, dass die EU bescheidener über ihre sogenannten zivilisatorischen Errungenschaften sein sollte und die lange und dunkle Schatten ihrer kolonialen Vergangenheit anerkennen sollte. Vor dem Hintergrund klarer Herausforderungen an die (westliche) europäische Dominanz im Weltssystem hinterfragen kritische Beobachter vehement die angebliche moralische und soziopolitische Überlegenheit Europas. Themen des Rassismus innerhalb Europas wurden zunehmend im Zuge der ‚Black Lives Matter‘-Proteste diskutiert. Neueste Forschung hat ergeben,
Orbie et al. (Mittwoch) untersuchten diese Frage.