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Verpasste Diagnosen in der Allgemeinmedizin sind unvermeidlich. Kein diagnostischer Test oder klinische Entscheidungsregel in der Allgemeinmedizin ist 100% empfindlich. Dies liegt hauptsächlich daran, dass Individuen, sowohl Kinder als auch Erwachsene, in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung ihrer Krankheit erscheinen. In einem frühen Stadium können klassische ‚Warnsymptome‘ schwerer Erkrankungen fehlen; zum Beispiel werden die Hälfte der Fälle von Meningokokkenkrankheit bei Kindern von Hausärzten bei der Erstvorstellung oft übersehen, da die charakteristischen Merkmale der Krankheit noch nicht auftreten. Ähnlich können bei der Erstvorstellung die schweren Komplikationen einer normalerweise unkomplizierten Erkrankung noch nicht entwickelt sein; zum Beispiel Dehydration bei Gastroenteritis oder subdurales Hämatom nach einer Kopfverletzung. Sicherheitsnetze sind eine diagnostische Strategie zur Bewältigung dieser Situation. Der Begriff ‚Sicherheitsnetz‘ wurde in der Allgemeinmedizin von Roger Neighbour eingeführt, der ihn als einen zentralen Bestandteil der Konsultation in der Allgemeinmedizin betrachtete. Er definierte Sicherheitsnetze als umschließend drei Fragen: 1. Wenn ich recht habe, was erwarte ich, dass passiert? 2. Wie werde ich wissen, ob ich falsch liege? 3. Was würde ich dann tun? Die Evidenzbasis ist jedoch gering, und selbst eine kurze Diskussion mit klinischen Kollegen wird bestätigen, dass es wenig Übereinstimmung darüber gibt, wie diagnostische Sicherheitsnetze in der Praxis interpretiert und angewendet werden. Das Ausschließen schwerer Erkrankungen hat oft Vorrang vor dem Ausschluss einer bestimmten Erkrankung in der Allgemeinmedizin und Notaufnahmen. Bis zu 50% der Patienten haben am Ende einer Konsultation mit ihrem Hausarzt keine eindeutige Diagnose, und dennoch bleibt die Notwendigkeit, schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Sicherheitsnetze sind in dieser Situation von entscheidender Bedeutung. Sie sind auch von entscheidender Bedeutung, wenn die Diagnose bekannt ist, aber ein erhebliches Risiko für schwere Komplikationen trägt, entweder aufgrund der Krankheit selbst (zum Beispiel Dehydration bei Gastroenteritis) oder weil die individuellen Merkmale des Patienten sie einem besonders hohen Risiko aussetzen …
Almond et al. (Fri,) untersuchten diese Frage.