Die Studienabbrüche im Hochschulbereich sind insbesondere in den ersten Semestern hoch. Bis zu 47 % der Abbrüche in Deutschland erfolgen in den ersten beiden Semestern, wobei männliche Studierende, Studierende der ersten Generation und Studierende mit Migrationshintergrund besonders betroffen sind. Zentrale Ursachen sind Prüfungsversagen und als hoch wahrgenommene Leistungsanforderungen. Diese Dissertation präsentiert die Konzeption und Evaluierung eines Kursempfehlungssystems zur Unterstützung abbruchgefährdeter Studierender. Das Systemdesign basiert auf signifikanten Leistungsunterschieden zwischen Studierenden, die ihr Studium abgebrochen haben, und solchen, die erfolgreich abgeschlossen haben. Die frühzeitige Einbindung von Studierenden in den Entwicklungsprozess trug dazu bei, interpretierbares Empfehlungssystem zu gestalten, das allen Studierenden zugänglich ist. Das Empfehlungssystem nutzt einen erklärbaren Nächste-Nachbarn-Algorithmus und berücksichtigt zwei Erfolgskriterien: den Studienabschluss sowie das Bestehen einer Mindestanzahl von Kursen pro Semester. Letzteres ermöglicht ein früheres Feedback zum Erfolg und erlaubt es dem System, sich schneller an Änderungen im Curriculum anzupassen. Die Evaluation mit historischen Daten und verschiedenen Metriken zeigt unter anderem, dass sich die Anzahl der empfohlenen Kurse an die Leistungen der Studierenden anpasst und Überforderung vermeidet. Abbruchgefährdeten Studierenden werden tendenziell leichter zu bestehende Kurse empfohlen, wodurch ihre Chancen auf Bestehen und akademischen Fortschritt erhöht werden. Eine Befragung von 100 Studierenden bestätigte die Verständlichkeit der Empfehlungen und Erklärungen, ohne dass eine klare Präferenz zwischen der Darstellung der empfohlenen Kurse als Liste und der Darstellung als Menge erkennbar war. Die Arbeit unterstreicht die Bedeutung erklärbarer und flexibler Empfehlungssysteme im Hochschulkontext.
Kerstin Wagner (Fri,) studied this question.