Die Manosphere ist ein loses Netzwerk verschiedener Online-Subgemeinschaften, das für seine extrem antifeministische und frauenfeindliche Rhetorik bekannt ist. Diese Arbeit zielt darauf ab, unser Verständnis dieses Phänomens zu vertiefen, indem sie eine Analyse seines Geschlechterdiskurses liefert. Da die der Manosphere innewohnende Vorstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit ihr charakteristischstes Merkmal und ein wichtiger Anziehungspunkt für die Beteiligung von Männern an Manosphere-Gemeinschaften ist, glaube ich, dass die Untersuchung dieses Geschlechterdiskurses viele Erkenntnisse liefern kann. Diese Analyse stützt sich auf Erkenntnisse aus den Bereichen Soziologie, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften. Zunächst werde ich Raewyn Connells Gender-Ordnungs-Theorie (1987) heranziehen, um zu veranschaulichen, wie in der Manosphere die „Alpha-Männlichkeit” als hegemoniale Form der Männlichkeit fungiert. Zweitens werde ich die epistemische Funktion des Gender-Diskurses in der Manosphere untersuchen und argumentieren, dass Teilnehmer auf den maskulinistischen Diskurs der Manosphere zurückgreifen, um ihre Gefühle und Erfahrungen sozialer Verletzlichkeit zu artikulieren und zu kommunizieren. Ihr Gender-Diskurs ist geprägt von dem, was ich als „männliche Ignoranz” bezeichnen werde – eine Art vorsätzlicher hermeneutischer Ignoranz, die es den Teilnehmern ermöglicht, ihr Gefühl der Verletzlichkeit auszudrücken, ohne die männliche Hegemonie in Frage stellen zu müssen. Ich werde zeigen, dass männliche Ignoranz den Teilnehmern epistemisch und psychologisch schadet. Abschließend werde ich einen weiteren materiellen Schaden männlicher Ignoranz analysieren – die Verletzlichkeit der Konsumenten – und veranschaulichen, wie die Manosphere als ausbeuterischer Markt funktioniert, in dem Content-Ersteller von der ontologischen Unsicherheit ihres Publikums profitieren.
Caterina Anselmi Kaiser (Wed,) studied this question.