Dieser Artikel präsentiert die erste vollständige multidimensionale (MD) Analyse des gesprochenen und geschriebenen Deutschen. Während frühere MD-Studien sich auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch konzentrierten, blieb Deutsch bislang unerforscht. Unsere Untersuchung stützt sich auf einen Korpus von über 3.000 Texten, die sich auf 52 Varietäten verteilen. Der Korpus wurde mit drei Part-of-Speech-Taggern annotiert, wodurch über sechzig lexikogrammatikalische Variablen extrahiert werden konnten. Durch explorative Faktorenanalyse wurden fünf Faktoren aufgedeckt, die durch die Interpretation einer großen Anzahl von Texten hinsichtlich ihrer zugrunde liegenden kommunikativen Funktionen wie folgt bezeichnet wurden: (1) Prozessualität vs. Reifikation, (2) involvierte vs. informative Produktion, (3) offene Ausdrucksweise der Überzeugung, (4) Evidentialitätsstrategie und (5) narrativer Diskurs. Diese Dimensionen erklären bis zu 78,1 % der Varianz zwischen den Registern. Abschließend vergleichen wir die deutschen Dimensionen mit denen, die für Englisch, Spanisch und Portugiesisch berichtet wurden. Wesentliche Unterscheidungen wie mündlich/schriftlich und narrativ/nicht-narrativ treten in allen Sprachen auf, was ihren Status als potenzielle sprachübergreifende dimensionale Universalien untermauert, während Deutsch sprachspezifische Konfigurationen im evidentialen Diskurs aufweist.
Costa et al. (Thu,) studied this question.