Videos sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, sie tauchen in verschiedenen Formaten auf - von Fernsehnachrichten und Streaming-Diensten bis hin zu Social-Media-Feeds. Eine ständig wachsende Menge von Videos trifft auf eine konstante Nachfrage, sodass Videos und soziale Medien die größten Datenanteile im Internet ausmachen. Menschen nutzen verschiedene Plattformen, um sich zu informieren und zu lernen, sei es über einzelne, informelle Suchmaschinenanfragen, soziale Medien oder strukturierte Formate wie Massive Open Online Courses (MOOCs), die seit Anfang der 2010er Jahre intensiv wissenschaftlich untersucht werden. Im Gegensatz dazu ist wenig darüber bekannt, ob erfolgreiche Bildungsinhalte in sozialen Medien auch im Hinblick auf die in der Hochschulbildung verwendeten Messgrößen erfolgreich sind; die Ausgestaltung der Videoproduktion dieser beiden Anwendungsgebiete des gleichen Mediums ist durchaus unterschiedlich. Darüber hinaus haben sich bestehende Studien eher auf einen dichotomen Vergleich einzelner Videomerkmale konzentriert als auf das Produktionsformat insgesamt. Diese Arbeit schließt diese Lücke durch vier Plattformanalysen und drei Experimente, die inhaltlich drei Themen aus der Informatik vermitteln (Rekursion, Datenbanken, MST-Algorithmus). Der erste Teil analysiert, wie Lernvideos gefunden, genutzt und produziert werden, basierend auf der Auswertung von über tausend Videos aus den Bereichen Wissenschaftskommunikation (Science Communication - SciComm), Live-Streams und Erklärvideos. Die Ergebnisse heben unter anderem 92 Designelemente in acht Kategorien hervor und zeigen, wie sich die Produktionen von SciComm von MOOCs unterscheiden. Letztere benutzen häufig einen zentralen Sprecher in Kombination mit Folien oder einer neutralen Aufnahmeumgebung. Während einige wenige Kanäle sehr hohe Zuschauerzahlen erzielen, variieren die Produktionsstile in informellen Lerngemeinschaften stark. Hier sind sowohl Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter zu finden als auch nicht-akademische Kanalinhaber. Allen gemeinsam ist, dass sie ein Publikum erreichen, das sich aktiv dafür entscheidet, in seiner Freizeit Bildungsinhalte anzuschauen, statt anderweitige Inhalte zu konsumieren. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werden im zweiten Teil die drei durchgeführten Experimente vorgestellt, in denen von SciComm inspirierte Videostile anhand von Variablen wie Lernerfolg, Wahrnehmung und Nutzerverhalten getestet wurde. Zwei der Experimente wurden in größeren MOOC-Kohorten (ca. 4.000 Anmeldungen jeweils) durchgeführt, während im letzten Vor-Ort-Experiment ein interaktiver Videoplayer mit 39 Lernenden getestet wurde. Unter Verwendung identischer Skripte und Audioaufnahmen wurde nur der visuelle Aspekt variiert, um ein Höchstmaß an Validität sicherzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Präsenz des Dozenten den Lernerfolg zwar nur minimal verbessert, aber die Wahrnehmung deutlich positiv beeinflusst, während prozedurale Formate wie Folien und digitales Schreiben einen leichten Einfluss auf das Navigationsverhalten der Nutzer haben. Diese Ergebnisse stimmen mit früheren Erkenntnissen überein und unterstreichen die Empfehlung, ein menschliches Gesicht strategisch einzubinden und diesen Aspekt aktiv zu nutzen, beispielsweise um die Lernenden direkt anzusprechen. Gleichzeitig zeigen die Resultate, dass andere Formate als allgegenwärtige Folien in Bezug auf den Lernerfolg ebenso effektiv sind und in Bezug auf die wahrgenommene Qualität besser abschneiden. Eine wichtige Empfehlung betrifft das schriftliche Skript, das in verschiedene Formate umgewandelt werden kann. Dieses hat weiterhin den Vorteil, dass es zur Archivierung, Auffindbarkeit und Arbeitsteilung beiträgt. Insgesamt ergänzt die Arbeit die bestehende Literatur zum Thema digitale Hochschulbildung und im Kontext des Lernens mit rein virtuellen Lern-Lehr-Kontexten. Praktisch bieten die Ergebnisse methodische Anknüpfungspunkte für Medienteams, Lehrende und Forschende, um individuelle Bildungsvideos umzusetzen: entweder durch die Verwendung der gezeigten Gestaltungselemente oder durch die Analyse der drei Experimente.
Hendrik Steinbeck (Thu,) studied this question.