Immer mehr Menschen in Österreich entscheiden sich bewusst gegen Kinder, was sich vor allem in der historisch geringen Geburtenrate widerspiegelt. Diese Studie untersucht die Auswirkungen von einen bislang wenig beachteten psychologischen Faktor: implizite Theorien der Willenskraft (ITW) auf den Kinderwunsch. Darunter versteht man Überzeugungen darüber, ob Willenskraft eine begrenzte Ressource ist, die durch Anstrengung abnimmt, oder eine unlimitierte Fähigkeit. Die Literatur legt nahe, dass Personen mit einer unlimitierten Sichtweise mehr Durchhaltevermögen zeigen, was darauf schließen könnte, dass sie sich der Aufgabe der Elternschaft besser gewappnet fühlen und dadurch einen höheren Kinderwunsch haben. In einer quantitativen Studie beantworteten 269 Studierende der Universität Wien einen Fragebogen zu ITW, Kinderwunsch und relevanten Kontrollvariablen (u. a. Ressourcen). Die Ergebnisse zeigten einen positiven Zusammenhang zwischen ITW und dem Kinderwunsch, der in einer einfachen Regressionsanalyse signifikant war. Dieser Effekt verlor jedoch seine Signifikanz, sobald Ressourcen als Kontrollvariable in das Modell aufgenommen wurden. Eine Mediationsanalyse ergab, dass Ressourcen den Zusammenhang vollständig mediierten. Mit anderen Worten, Personen, die ihre Willenskraft als unlimitiert wahrnehmen, berichteten höhere wahrgenommene Ressourcen, die wiederum mit einem stärkeren Kinderwunsch einhergingen. Explorative Faktorenanalysen zeigten zudem, dass Kinderwunsch ein multidimensionales Konstrukt ist, bestehend aus den Dimensionen Wunsch, Aversion, Opferbereitschaft, soziale Anerkennung und Zweifel. ITW konnten zwei dieser Dimensionen, nämlich Aversion und Opferbereitschaft signifikant vorhersagen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass implizite Theorien der Willenskraft den Kinderwunsch nicht direkt beeinflussen, aber einen Einfluss darauf haben könnten, wie die Kosten von Elternschaft im Bezug zu den wahrgenommenen Ressourcen bewertet werden.
David Maximilian Petutschnig (Thu,) studied this question.
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