Konflikte sind ein unvermeidlicher Bestandteil romantischer Beziehungen, jedoch unterscheiden sich Paare darin, wie sie mit ihnen umgehen. Forschung zeigt, dass die Art der Konfliktbewältigung maßgeblich mit der Beziehungszufriedenheit zusammenhängt. Während bisher vor allem Kommunikations- und Interaktionsmuster untersucht wurden, sind zugrundeliegende motivationale Prozesse weniger berücksichtigt worden. Ein solcher Prozess betrifft die individuellen Überzeugungen über die eigene Selbstkontrollkapazität: während einige Personen Selbstkontrolle als begrenzte Ressource wahrnehmen, die erschöpft werden kann, sehen andere sie als unbegrenzt und erneuerbar. Frühere Forschung belegt, dass diese sogenannten impliziten Willenskrafttheorien tatsächliches selbstregulatorisches Verhalten beeinflussen. Ihre Rolle in Konfliktsituationen in romantischen Partnerschaften wurde jedoch bislang nicht untersucht. Die vorliegende Studie untersuchte daher, inwiefern implizite Willenskraftheorien mit Konfliktlösung sowie Beziehungszufriedenheit in romantischen Beziehungen zusammenhängen. Dyadische Daten von 202 Paare wurden mittels des Actor-Partner Interdependence Model (APIM) ausgewertet. Es zeigten sich konsistente Akteureffekte: Personen mit stärker limitierten Willenskrafttheorien berichteten häufiger destruktive und seltener konstruktive Konfliktlösestrategien. Partnereffekte traten nicht auf. Mediationsanalysen ergaben, dass Konfliktverhalten den Zusammenhang zwischen Willenskrafttheorien und Beziehungszufriedenheit teilweise vermittelte. Explorative Analysen verdeutlichten zudem kontextuelle Einflüsse. Wahrgenommener Stress moderierte den Zusammenhang zwischen Willenskrafttheorien und destruktivem Konfliktverhalten bei Frauen und zeigte ein Kreuzungsmuster unter hoher Belastung. Darüber hinaus waren Diskrepanzen in den Willenskrafttheorien beider Partner*innen mit weniger adaptivem Konfliktverhalten assoziiert - insbesondere bei einer Kombination aus nicht-limitierten Männern und limitierten Frauen. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse, dass motivationale Überzeugungen über Selbstkontrolle eine bedeutsame Rolle für partnerschaftliches Konfliktverhalten spielen und ihre Wirkung kontextabhängig ist.
Lina Olivia Schmitt (Thu,) studied this question.
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