Die Morphologie der Cochlea weist eine ausgeprägte Variabilität auf, die aus dem Zusammenspiel evolutionärer Geschichte, anatomischer Zwänge und funktionaler Anforderungen an das Hörvermögen resultiert. Trotz erheblicher Fortschritte in der Morphologie, Bildgebung und dreidimensionalen Gestaltanalyse bleiben viele Aspekte der Cochlea bislang unzureichend verstanden, insbesondere hinsichtlich der funktionalen Bedeutung ihrer charakteristischen Spiralform. Diese Dissertation untersucht die Cochlea-Morphologie in einer breiten Stichprobe rezenter Säugetiere auf Grundlage hochauflösender Mikrocomputertomographie, 3D-geometrischer Morphometrie und phylogenetisch vergleichender Analysen. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Cochlea-Gestalt, hörphysiologischen Parametern sowie Modus und Tempo der morphologischen Evolution zu analysieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Cochlea-Morphologie sowohl durch phylogenetische Zugehörigkeit als auch durch funktionale Anforderungen geprägt ist. Vergrößerte erste Windungen stehen mit einer erhöhten Sensitivität für hohe Frequenzen in Verbindung, während eine stark ausgeprägte Spiralform insbesondere bei bestimmten Nagetiergruppen mit Tieftonhörvermögen assoziiert ist. Allometrische Effekte beeinflussen einzelne Merkmale wie Cochlea-Länge und Windungszahl, während die Gesamtgestalt weitgehend größenunabhängig bleibt. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die funktionale und evolutionäre Bedeutung der Cochlea-Morphologie und ihren Wert für vergleichende und taxonomische Analysen.
Joaquin Del Rio (Wed,) studied this question.