Digitale Plattformen prägen zunehmend den wirtschaftlichen Austausch, kulturelle Normen und gesellschaftliche Interaktionen und positionieren sich damit als einflussreiche Akteure in globalen Nachhaltigkeitstransitionen. Die bestehende Forschung hat Plattformunternehmen jedoch vorwiegend durch die Linse von Wettbewerb, Innovation und Wertabschöpfung betrachtet, sodass bislang nur begrenzt verstanden wird, wie solche Unternehmen zur Schaffung ökologischer und sozialer Werte beitragen. Diese Arbeit untersucht, wie digitale Unternehmen Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsmodelle integrieren und Nachhaltigkeitsergebnisse innerhalb ihrer Ökosysteme orchestrieren. Unter Rückgriff auf die Stakeholder-Theorie und die Legitimations-theorie analysiert die Studie, wie Unternehmen gesellschaftliche Erwartungen verhandeln und Nachhaltigkeit gemeinsam mit voneinander abhängigen Akteuren ko-kreieren. Es wurde ein qualitatives, multiples Fallstudiendesign angewandt, bei dem Nachhaltigkeitsberichte und Unternehmensdokumentationen von vier globalen Plattformunternehmen analysiert wurden, namentlich Meta, PayPal, Zalando und Spotify. Die vergleichende Analyse zeigt, dass Nachhaltigkeit im digitalen Kontext von Geschäftsmodelllogiken und unterschiedlichen Graden der Ökosystemvernetzung abhängt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Unternehmen mit geringer direkter Kontrolle über ihre Ökosystemteilnehmer dazu tendieren, symbolische Governance-Instrumente und Einflussmechanismen zu mobilisieren, um Legitimität zu erlangen. Im Gegensatz dazu integrieren Unternehmen, deren Geschäftsmodelle starke Komplementaritäten oder materielle Auswirkungen aufweisen, Nachhaltigkeit stärker strukturell, indem sie ihre operative Tätigkeit neu konfigurieren, Partneranreize ausrichten und Governance-Mechanismen in die Ökosystemkoordination einbetten. Die Studie leistet drei zentrale Beiträge. Erstens zeigt sie, dass Nachhaltigkeit in digitalen Ökosystemen durch Aushandlungsprozesse mit Partnern, Nutzenden und weiteren Stakeholdern ko-kreiert wird. Zweitens erweitert sie die Legitimations-theorie, indem sie aufzeigt, dass digitale Unternehmen Verantwortung aktiv durch Ökosystem-Governance orchestrieren. Drittens bietet sie praktische Implikationen für Managerinnen und Manager sowie politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, wie Nachhaltigkeitsstrategien gestaltet werden können, die Plattformabhängigkeiten und verteilte Verantwortlichkeiten berücksichtigen. Indem die Studie die unterschiedlichen Ansätze digitaler Unternehmen zur Nachhaltigkeit herausarbeitet, trägt sie zum Verständnis bei, wie Verantwortung in der Plattformökonomie umgesetzt wird, und klärt die Bedingungen, unter denen digitale Ökosysteme nachhaltigen Wandel nicht nur signalisieren, sondern tatsächlich ermöglichen können.
Federica Mattiazzi (Wed,) studied this question.