Gegenstand dieser Arbeit ist die Frage, wie sich Protestrepertoires von sozialen Bewegungen in autoritären Systemen im Zuge von staatlichen Repressionsmaßnahmen verändern. Konkret wurde hierbei analysiert, wie die Frau, Leben, Freiheit, Bewegung im Iran ihre Widerstandsrepertoires nach dem Tod von Jina (Mahsa) Amini im Jahr 2022 staatlichen Repressionen angepasst hat. Die Arbeit basiert auf qualitativer Sozialforschung und kombiniert eine umfassende Literaturanalyse mit fünf halbstrukturierten Interviews mit vier Aktivist:innen und einer Expertin. Die Analyse stützt sich auf Theorien zu “Contentious Politics” (Tilly Johnston 2018), “Everyday Resistance” (Scott 1990), “Social Non-movements” (Bayat 2010) sowie auf „A Feminist Theory of Refusal” (Honig 2021), um zu untersuchen, wie Widerstand unter autoritären Bedingungen im Globalen Süden transformiert wird. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass der Widerstand der Frau, Leben, Freiheit Bewegung trotz der Zunahme staatlicher Gewalt und Überwachung nicht erlischt, sondern sich vielmehr in adaptive und dezentrale Praktiken verändert hat: Die Formen des Protests haben sich von Massendemonstrationen hin zu alltäglichen Akten des Ungehorsams, digitalem Aktivismus sowie informellen Netzwerken der Solidarität und Fürsorge transformiert. Politische Praktiken werden durch Strategien, wie etwa die Weigerung, den Hijab zu tragen und die Schaffung informeller Unterstützungsnetzwerke fortgeführt.
Sara Mohammadi Fatideh (Wed,) studied this question.