Diese Arbeit untersucht, wie zeitgenössische Kunst nationale ‚Identität‘ infrage stellen und destabilisieren kann, statt sie zu bekräftigen oder zu reproduzieren. Im Bewusstsein, dass das Schreiben über nationale ‚Identität‘ das Risiko birgt, eben jene Kategorie zu verfestigen, die es problematisieren will, konzentriere ich mich auf Kunstwerke, die die Mechanismen freilegen, durch die essentialistische Vorstellungen kollektiver nationaler ‚Identität‘ produziert, internalisiert und aufrechterhalten werden. Die Detailanalyse stützt sich auf eine interdisziplinäre Methode zwischen Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie und ist in der tschechischen kritischen Nationsforschung verankert, die einen vorsichtigen Umgang mit der Kategorie der nationalen ‚Identität‘ geprägt hat. Anhand genauer Lektüren von Adéla Babanovás „Návrat do Adriaportu“, Kateřina Šedás „Nedá se svítit“ und Klára Jirková und Aleš Čermáks „Formování historie. interpretace dějin z pohledu různých států“ analysiert die Arbeit, wie zeitgenössische Kunst die institutionellen und diskursiven Mechanismen sichtbar machen kann, durch die nationale ‚Identität‘ produziert und naturalisiert wird. Ihr Beitrag besteht darin, am tschechischen Fall zu zeigen, dass Kunst nationale ‚Identität‘ nicht dadurch de-essentialisiert, dass sie sich außerhalb ihrer Genese stellt, sondern indem sie deren Techniken aufgreift und mit ihnen arbeitet; dadurch wird das Publikum angeregt zu erkennen, wie diese Techniken wirken, und eine kritischere, selbstreflexive Haltung einzunehmen. „Nedá se svítit“, „Návrat do Adriaportu“ und „Formování historie“ zeigen jeweils in unterschiedlichen Registern, dass nationale ‚Identität‘ historisch konstruiert ist und nicht essentiell.
Anežka Jabůrková (Wed,) studied this question.