In Anbetracht der Tatsache, dass sich alpine Regionen im Vergleich zum globalen Durchschnitt etwa doppelt so stark erwärmen, wird die intraspezifische Merkmalsvariation aufgrund des engen Zusammenspiels von Höhe, Temperatur und Wasserverfügbarkeit zu einem zentralen Baustein für Prognosen der Artenverbreitung und der Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften im Klimawandel. Im Rahmen dieser Studie wurden am Schrankogel (3497 m ü. M.) in Tirol, Österreich, entlang von Höhen-, Temperatur- und morphometrischen Gradienten die Blattfläche (LA), die spezifische Blattfläche (SLA) und der Blatt-Trockenmassegehalt (LDMC) von vier alpinen Pflanzenarten erhoben, um die relative Bedeutung der CSR-Strategien Konkurrenz (C), Stresstoleranz (S) und Ruderalität (R) auf intraspezifischer Ebene zu quantifizieren. Die Ergebnisse zeigen, dass mit zunehmender Höhe die Dominanz von Stresstoleranz (S) stetig wächst, während Ruderalität (R) und insbesondere Konkurrenz (C) an Bedeutung verlieren und zum Gipfel hin abnehmen. Über alle Umweltgradienten hinweg konnte eine ausgeprägte intraspezifische Variation sowohl der Blattmerkmale als auch der abgeleiteten Strategien nachgewiesen werden. Dies unterstreicht die Bedeutung der innerartlichen Variabilität als wesentlicher Bestandteil der Anpassungsfähigkeit alpiner Pflanzen und betont ihre Schlüsselrolle bei der Anpassung an sich rasch verändernde Temperatur- und Niederschlagsregime. Um das Verständnis alpiner Pflanzengesellschaften unter dem globalen Wandel zu vertiefen, wird daher eine stärkere Berücksichtigung der intraspezifischen Merkmalsvariation empfohlen. Dies kann zu präziseren Vorhersagen der Anpassung von Pflanzen und verbesserten Naturschutz- und Managementmaßnahmen in alpinen Lebensräumen führen.
Roman Müller (2026) studied this question.