Mit der Entstehung moderner Nationalstaaten entstand eine Unterscheidung zwischen dem, was als religiöse und dem, was als säkulare Praktiken angesehen wurden. In Bildungsinstitutionen wie Schulen, die in der modernen Gesellschaft eher als säkulare Räume betrachtet wurden, wurde diese Unterscheidung durch körperliche Praktiken repräsentiert. Saba Mahmood zufolge handelt es sich bei der Säkularität jedoch um eine gemeinsame Annahme, die auf der Ebene der Empfindungen existiert und daher schwer zu erfassen ist (Mahmood, 2016, S. 181). So unterschieden sich beispielsweise rituelle Aktivitäten in modernen Schulen, die eigentlich säkulare Praktiken an säkularen Orten sein sollten, nicht wesentlich von religiösen Praktiken. Ähnlich wie religiöse Rituale boten säkulare Schulrituale einen Rahmen für das Einüben angemessener Verhaltensweisen einschließlich der Darstellung von Emotionen. In diesem Beitrag werden politische Rituale in deutschen Gymnasien und japanischen sekundärschulen (chugakko) im späten 19. Jahrhundert analysiert und die Ähnlichkeiten zwischen der Darstellung von Gefühlen in religiösen Ritualen und in Schulritualen diskutiert. Damit wird die Unterscheidung zwischen dem Religiösen und Säkularen in Frage gestellt, die im Zeitalter der Modernisierung entstanden ist. Zunächst wird der historische Kontext beider Länder erläutert, in dem eine Religion und eine Reihe von religiösen Praktiken als „säkular“ oder „national“ betrachtet wurden. Danach wird die Frage diskutiert, welche religiösen Praktiken im säkularen Kontext „zugelassen“ waren und weiterhin ausgeübt wurden. Anschließend werden die sensorischen Aspekte der Rituale untersucht, die als ein Teil der Ritual-Inszenierung zur Schaffung eines emotionalen Raums dienten. Der Fokus liegt hierbei nicht auf den individuellen Emotionen, sondern auf den offiziellen Ritualprogrammen, die einen angemessenen Raum für kollektive Aktivitäten und emotionale Äußerungen schufen. In Anlehnung an Scheers Argument, dass ein in einem bestimmten sozialen Umfeld ausgebildeter Körper dazu beitragen kann, Emotionen zu mobilisieren, zu benennen, zu kommunizieren und zu regulieren (Scheer, 2012, S. 193), argumentiert der Beitrag, dass ein positives Gefühl der Zugehörigkeit durch den Körper erlebt und ausgedrückt werden kann – sei es gegenüber der Kirche, der Schule, dem Land oder dem Nationalstaat.
Ami Kobayashi (2026) studied this question.
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