Zusammenfassung Über die etymologische Sinnlosigkeit des Begriffs „Antisemitismus“ ist sich die Antisemitismusforschung weithin einig: Der am Ende des 19. Jahrhunderts zunächst als Selbstbezeichnung der Antisemiten aufkommende Begriff bezog sich niemals auf eine Ablehnung der „Semiten“, sondern ausschließlich auf Juden und Judentum und hat sich seither als Synonym für die (moderne) Judenfeindschaft etabliert. Der begriffliche Rückgriff auf den „Semitismus“ wird dabei zumeist mit einer negativen Konnotation der sogenannten Semiten im (wissenschaftlichen) Diskurs des 19. Jahrhunderts erklärt. Die Entstehungs- und Verwendungsgeschichte der Kategorie des Semitischen zeigt jedoch ein deutlich komplexeres Bild: Wie im Folgenden anhand einer Untersuchung von Publikationen aus den zeitgenössischen Sprach-, Orient- und Bibelwissenschaften gezeigt wird, bestand zwischen abwertenden Darstellungen der sogenannten Semiten und antisemitischen Positionierungen kein direkter Zusammenhang – ebenso wenig wie zwischen romantisierenden Darstellungen und einer Ablehnung des Antisemitismus. Vor diesem Hintergrund vermögen auch jüngere Vorschläge nicht zu überzeugen, den Begriff „Antisemitismus“ wörtlich zu lesen und auf einen zusammenhängenden Abwertungsdiskurs gegenüber Juden und Arabern (bzw. Judentum und Islam) im 19. Jahrhundert zu schließen.
Building similarity graph...
Analyzing shared references across papers
Loading...
Felix Wiedemann
Freie Universität Berlin
Historische Zeitschrift
Freie Universität Berlin
Building similarity graph...
Analyzing shared references across papers
Loading...
Felix Wiedemann (Mon,) studied this question.
synapsesocial.com/papers/6a1fc509dee9eb8c0dce66d9 — DOI: https://doi.org/10.1515/hzhz-2026-0012