Examines gaze direction effects on attention in viewers of historical paintings, suggesting significant implications for art interpretation.
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, wie die Blickrichtungen von Figuren in narrativen Gemälden aus dem 16. und 17. Jahrhundert das Blickverhalten der Betrachter*innen und deren Verständnis der dargestellten Szenen beeinflussen können. Basierend auf bisherigen Forschungsergebnissen in den Bereichen Kunstbetrachtung, nicht-verbaler Kommunikation und Joint Attention, wurde die These aufgestellt, dass die Blicke in Gemälden einen direkten Effekt (Gaze Cueing) auf die Betrachter*innen haben und durch deren Richtungsangabe die Blickrichtung lenken können. Zur Untersuchung dieser These wurde ein empirisches Experiment aufgestellt, welches die quantitativen Methoden von Eye-Tracking und Fragebögen für die Datenerhebung verwendete. Zehn figurative Gemälde, je in originaler und editierter Form, und 80 Proband*innen kamen dabei zum Einsatz. Die Ergebnisse des Eye-Tracking Teils ergaben, dass die Blickrichtung von Figuren einen signifikanten Einfluss auf das Blickverhalten hatte. In 70% der Stimuli verbrachten die Proband*innen signifikant mehr Zeit in den Bereichen der Bilder, dessen Richtung durch den Blick der zentralen Figur indiziert wurde. Zwischen 43–71% der Gemälde hatten ebenso einen signifikanten, kongruenten Einfluss auf die Sakkadenrichtung der Proband*innen. Der deutlichste Einfluss von Blickrichtung fand sich in den Ergebnissen des Fragebogens. In 80% der Bilder adaptierten die Teilnehmer ihre Einordnung der Relevanz der dargestellten Figuren in Bezug auf die Blickrichtung der zentralen Figur. Die Studie fand zudem heraus, dass der Einfluss auf die Aufmerksamkeit der Betrachter*innen einen starken zeitlichen Faktor besitzt, da für die Mehrheit der Stimuli die höchste Signifikanz zwischen einer Betrachtungszeit von 10–25 Sekunden festgestellt wurde. Unterschiede in den Ergebnissen zwischen den zehn Gemälden lassen auf weitere Faktoren schließen, welche den Grad des Gaze Cueing Effektes stark beeinflussen können. Darunter formale Aspekte der Komposition, wie die Salienz des Hintergrundes, Kopfdrehung, Anzahl, Größe und Position der Figuren, welche einen spannenden Ansatzpunkt für weitere Forschung in diesem Bereich geben.
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Judith Herunter (2026) studied this question.
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