Zusammenfassung Die aristotelischen Ethiken sind bislang kaum unter historischen Gesichtspunkten in den Blick genommen worden. Der vorliegende Beitrag erprobt dies anhand des Gegenstandes der εὐδαιμονία, die Aristoteles als höchstes Ziel menschlichen Strebens begreift und darüber auch breiten gesellschaftlichen Konsens voraussetzt. Besonderes Augenmerk wird auf die Frage gerichtet, inwieweit die Polis diesbezüglich als Bezugspunkt seines Denkens fungiert und wie sich der zugrundeliegende Polisbegriff zum seinerzeit gängigen Verständnis verhält. Dabei wird nicht zuletzt herausgearbeitet, dass der Stagirite ‚Glück‘ bereits stärker vom Einzelnen als von der Polis her denkt. Dies gilt nicht nur für seine ethischen Schriften, sondern über weite Strecken auch für die „Politik“ – ungeachtet der Tatsache, dass er dort in dem Zusammenhang eingehend über die Polis handelt. Insgesamt wird gezeigt, dass er bei der Thematik deutlicher vom tendenziell demokratischen ‚Common Sense‘ der Zeit abweicht als bei anderen seiner politischen Sujets, beispielsweise seiner Konzeption bürgerlichen Handelns. Demgegenüber sind beträchtliche Kongruenzen mit elitären Vorstellungen der Zeit auszumachen. Hinzukommen mehrere genuin philosophische Ansätze, die in unterschiedlicher Weise auf den kulturellen Kontext Bezug nehmen.
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Karen Piepenbrink (2026) studied this question.
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