Zusammenfassung Hintergrund Patient*innen mit nicht heilbarer Krebserkrankung erleben komplexe Versorgungsanforderungen, die über die rein medizinische Behandlung hinausgehen und aus denen vielfältiger Unterstützungsbedarf entsteht (Konzept der Supportive Care Needs). Eine systematische und differenzierte Erfassung dieser Bedürfnisse und Bedarfe ist zentral für die Identifikation von Versorgungslücken sowie die Entwicklung adäquater Interventionen. Trotz der Relevanz sind entsprechende Analysen im deutschen Versorgungskontext selten. Insbesondere fehlen Auswertungen, die unterschiedliche Dimensionen des Bedarfs und patientenseitige Perspektiven integrieren. Methode Ziel war die Untersuchung der Forschungsfrage „Welchen ungedeckten Unterstützungsbedarf weisen Patient*innen mit nicht heilbarer Krebserkrankung im Rahmen ihrer Versorgung auf?". Es wurden Fragebogendaten (N = 339) genutzt, welche die Einschätzung der onkologischen Versorgung der Patient*innen abbilden und mittels der deutschen Version des Short-Form Supportive Care Needs Survey (SCNS-SF34-G) erhoben wurden. Das Instrument wurde deskriptiv analysiert. Ergänzend wurde eine offene Frage (n = 140) zu vermissten Aspekten der onkologischen Versorgung qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet. Diese lieferte potenziell ergänzende Hinweise auf Aspekte der Versorgung, die im standardisierten Instrument nicht erfasst wurden, und ermöglichte zusätzliche kontextualisierende Informationen zum Unterstützungsbedarf. Im Rahmen eines parallelen Mixed-Methods-Ansatzes wurden die beiden Stränge (SCNS-SF34-G und offene Frage) mittels eines Joint Displays synthetisiert. Ergebnisse Die quantitative Analyse zeigte einen eher geringen Unterstützungsbedarf. Die Inhaltsanalyse ergab sechs Oberkategorien: Nichts vermisst, Kein Bezug zur Forschungsfrage, Zwischenmenschliche Aspekte mit den betreuenden Fachkräften, Informationsbedarf, Organisationale Bedarfe der Patient*innen, Patientenorientierung im Rahmen der Betreuung. Die Datensynthese ergab hinsichtlich dreier Bedarfsbereiche Diskordanz (medizinische Behandlung, körperliche Aspekte und Alltagsverrichtung, psychologischer Unterstützungsbedarf), einmal Erweiterung (Gesundheitssystem und Information) und einmal Übereinstimmung (Partnerschaft und Sexualität). Diskussion Die qualitativen Ergebnisse zeigten ein differenziertes Spektrum an Unterstützungsbedarfen, das jedoch nur von einem Teil der antwortenden Patient*innen geäußert wurde. Ein erheblicher Anteil berichtete keine vermissten Aspekte in ihrer Versorgung, was auf einen insgesamt niedrigen Unterstützungsbedarf hinweist und mit den quantitativen Ergebnissen übereinstimmt. Gleichzeitig zeigten die Diskordanzen in den Bereichen medizinische Behandlung, körperliche Aspekte und Alltagsverrichtung sowie psychologischer Unterstützungsbedarf potenzielle Versorgungslücken auf, die es weitergehend zu untersuchen gilt. Darüber hinaus wurde ein zusätzlicher, differenzierter Bedarf im Bereich Gesundheitssystem und Information sichtbar, der in den standardisierten Ergebnissen nur begrenzt abgebildet wird. Schlussfolgerung Insgesamt weisen die Ergebnisse auf einen überwiegend geringen, jedoch differenzierten Unterstützungsbedarf von Patient*innen mit nicht heilbarer Krebserkrankung hin. Die identifizierten Diskordanzen sowie der Informationsbedarf liefern Ansatzpunkte für die Anpassung und Weiterentwicklung patientenzentrierter Interventionen.
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Melcher et al. (2026) studied this question.
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