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In diesem auffallend originellen Beitrag zu unserem Verständnis der chinesischen Philosophie nutzt François Julien, ein französischer Sinologe, dessen Arbeiten noch nicht auf Englisch erschienen sind, das chinesische Konzept von shi – was Disposition oder Umstand, Kraft oder Potential bedeutet – als Maßstab, um die chinesische Kultur zu erkunden und die komplexe und kohärente Struktur zu enthüllen, die den chinesischen Denkweisen zugrunde liegt. Ein Hegelsches Vorurteil verfolgt nach wie vor die Studien der alten chinesischen Zivilisation: Chinesisches Denken, das niemals über einen kosmologischen Standpunkt hinausgekommen ist und gleichgültig gegenüber jeglicher Vorstellung eines Telos ist, versuchte, die Realität ausschließlich auf der Grundlage ihrer selbst zu interpretieren. In dieser wegweisenden Studie werden Vorurteile gegenüber der Einfachheit und Naivität des chinesischen Denkens, hegelianischen und anderen Ursprungs, nacheinander abgebaut, um die komplexe und kohärente Struktur zu offenbaren, die den chinesischen Denk- und Wirklichkeitsrepräsentationen zugrunde liegt. Julien beginnt mit einem einzigen chinesischen Begriff, shi, dessen Ambivalenz und beunruhigende Polysemie einerseits und einfache Wirksamkeit andererseits die Ordnung eines Konzepts herausfordern. Doch shi schleicht sich in die Ordnung und Bedingung der Realität in all ihren vielfältigen und komplexen Darstellungen ein. Da shi weder zu einer kohärenten, allgemeinen Analyse führte noch als eines der Hauptkonzepte unter chinesischen Denkern angesehen wurde, verfolgt Julien sein Auftreten von einem Bereich zum anderen: von militärischer Strategie zur Politik; von der Ästhetik der Kalligrafie und Malerei zur Literaturtheorie; und von der Reflexion über die Geschichte zur ersten Philosophie. An dem Punkt, an dem sich diese verschiedenen Bereiche überschneiden, erscheint eine grundlegende Intuition, die jahrhundertelang als selbstverständlich angesehen wurde: nämlich, dass Realität – jede Art von Realität – als eine bestimmte Entfaltung oder Anordnung von Dingen wahrgenommen werden kann, auf die man sich stützen und zu seinem Vorteil arbeiten kann. Kunst oder Weisheit, wie sie von den Chinesen verstanden wird, besteht darin, die Neigung, die aus dieser besonderen Konfiguration der Realität emanieren, strategisch auszunutzen.
Raphals et al. (Thu.) haben diese Frage untersucht.