Die Unterschiede in der HIV-Prävalenz zwischen den rassischen/ethnischen Gruppen Südafrikas (19,9 %, 3,2 % und 0,5 % bei 15- bis 49-jährigen Schwarzen, Coloureds und Weißen) sind so groß wie die zwischen den Ländern mit den höchsten und niedrigsten HIV-Prävalenzraten weltweit. Diese großen rassischen/ethnischen Unterschiede werden weitgehend durch unterschiedliche sexuelle Netzwerkstrukturen bestimmt. In Netzwerken unter schwarzen Südafrikanern sind sexuelle Partnerschaften eher gleichzeitig arrangiert - eine Konfiguration, die zu exponentiellen Zuwächsen in der Verbreitung von HIV führt. Eine Untersuchung der historischen Ursprünge der Polygamie (wo es normative Praxis ist, Partnerschaften gleichzeitig zu arrangieren) und der Monogamie (seriell oder lebenslang) zeigt, dass es die Praxis der universellen Monogamie in stratifizierten Gesellschaften ist, die die Ausnahme bildet. Die Ideologie und Praxis der universellen Monogamie entstand in Europa infolge mehrerer Faktoren, am herausragendsten Konflikten zwischen der Christlichen Kirche und dem Adel. Nach ihrer Einsetzung in Europa sah das europäische Kolonialprojekt vor, dass diese Ideologie weltweit verbreitet wurde. Unter dem Einfluss des Liberalismus mutierte sie zu einem säkularen und unanerkannten Wertprogramm der Monogamie als universelle Norm. Dieses Wertprogramm und die Praxis der Monogamie (hauptsächlich seriell) sind immer noch die Norm für weiße Südafrikaner; somit ist dieses sexuelle Verhalten 'Spandrel' (Nebenprodukt anderer historischer Prozesse) ein großer Beitrag zu den niedrigeren HIV-Prävalenzraten bei Weißen. In vorkolonialen afrikanischen Gesellschaften war Polygamie normativ, und das christliche Wertprogramm der Monogamie erreichte nie den hegemonialen Status, den es in Europa und anderen eroberten Gebieten hatte. Verheiratete schwarze afrikanische Männer, die zum Christentum konvertierten, hatten nicht weniger wahrscheinlich zusätzliche Sexualpartner, sondern eher eine größere Wahrscheinlichkeit, sie zu verbergen. Das fortdauernde Geheimhalten über gleichzeitige Partner hat zur Vernetzung der sexuellen Netzwerke unter schwarzen Afrikanern im Allgemeinen beigetragen und damit zur schnellen Verbreitung von HIV.
Der Human Sciences Research Council (Tue,) hat diese Frage untersucht.