Dieses Arbeitspapier entwickelt eine systemische Theorie der Eskalation, die sich auf das Konzept der Verlustkontrollschwelle (LoCT) als dynamische Bedingung des Zustandsübergangs konzentriert. Es wird argumentiert, dass zeitgenössischer Konflikt nicht als eine Abfolge diskreter strategischer Entscheidungen abläuft, sondern als ein endogener Prozess, der durch Interaktionen zwischen miteinander verbundenen militärischen, politischen, wirtschaftlichen und informationellen Systemen erzeugt wird. Das Papier konzeptualisiert LoCT als die Bedingung, unter der der kumulative systemische Druck die Fähigkeit eines Akteurs zur Regulierung der Eskalation übersteigt. Um diesen Prozess zu formalisieren, wird ein integriertes analytisches Rahmenwerk eingeführt, das drei dynamisch gekoppelte Komponenten verknüpft: den Systemic Pressure Index (SPI), der die Ansammlung multidimensionaler Belastungen über die Zeit erfasst; den Operational Node Criticality Score (ONCS), der erklärt, wie lokale Störungen unverhältnismäßige systemweite Effekte erzeugen; und eine Wahrnehmungsebene, die Eskalation durch Informationsverzerrung, -verstärkung und rekursive Rückkopplung vermittelt. Die Analyse zeigt, dass Eskalation in vernetzten Konflikten durch nichtlineare Ansammlung, domänenübergreifende Propagation und wahrnehmungsvermittelte Interaktion angetrieben wird, anstatt nur durch isolierte Entscheidungen. Verlust der Kontrolle entsteht nicht als ein nachträgliches Ergebnis, sondern als eine endogene Schwellenbedingung, die durch die gekoppelten Dynamiken des steigenden systemischen Drucks, der abnehmenden Kontrollkapazität und der feedbackgetriebenen Verstärkung erzeugt wird. Das Papier definiert strategischen Erfolg weiter als temporale Kontrolle: die Fähigkeit, die Dauer zu maximieren, über die ein Akteur unter seiner Verlustkontrollschwelle bleibt. In diesem Rahmen wird Konflikt zu einem Wettlauf nicht über das, wer zuerst gewinnt, sondern über das, wer die Kontrollierbarkeit am längsten aufrechterhält. Durch die Verschiebung des analytischen Fokus von diskreten Ereignissen und Entscheidungspunkten hin zu den systemischen Bedingungen, unter denen Kontrolle unhaltbar wird, leistet diese Studie einen Beitrag zu einem verallgemeinerbaren Rahmen für das Verständnis der Eskalationsdynamik in zeitgenössischen vernetzten Konflikten.
Shaoyuan Wu (Fr,) hat diese Frage untersucht.