ZIELE: Veröffentliche Beschreibungen von Medikationsanalyseverfahren sind oft nicht detailliert genug, um eine Wiederholbarkeit zu gewährleisten. Diese Einschränkung ist besonders relevant für Patientengruppen mit spezifischen klinischen Bedingungen, wie Patienten mit Ileostoma, bei denen physiologische Veränderungen die Arzneimittelabsorption erheblich beeinflussen können. Unser Ziel war es, einen strukturierten Medikationsanalyseansatz zu entwickeln und zu evaluieren, der auf die Bedürfnisse von Patienten mit Ileostoma zugeschnitten ist. Der Ansatz wurde entwickelt, um Apotheker bei der systematischen Erkennung stoma-spezifischer, arzneimittelbezogener Probleme (ABPs) und der Umsetzung geeigneter pharmazeutischer Interventionen zu unterstützen. METHODEN: Diese Studie war eine einzelzentrierte, mehrphasige Mixed-Methods-Studie, die in einem Tertiärkrankenhaus durchgeführt wurde. Ein strukturierter Medikationsanalyseansatz für Patienten mit Ileostoma wurde mithilfe eines modifizierten Delphi-Prozesses mit einem interprofessionellen Expertengremium entwickelt und in einer explorativen Evaluation retrospektiver Medikationsakte von 25 Patienten getestet. Anschließend wurde eine kontrollierte Interventionsstudie mit einem standardisierten Ileostoma-Patientenfall durchgeführt, die an 40 Apotheker verteilt wurde, die einer Interventionsgruppe (mit dem strukturierten Ansatz) oder einer Kontrollgruppe (Standardpraxis) zugewiesen wurden. Apotheker identifizierten ABPs und schlugen Interventionen vor, die mithilfe eines vordefinierten Bewertungssystems evaluiert wurden. ERGEBNISSE: Der finale Ansatz, der in sechs Schlüsselbereiche gegliedert war, basierte auf den (patho)physiologischen Veränderungen nach der Ileostomaanlage und wurde als Entscheidungsbaum-Tool konzipiert, um eine systematische Medikationsanalyse zu leiten. Insgesamt schlossen 36 Apotheker aus 20 Institutionen die Fallstudie ab. Die Interventionsgruppe erzielte signifikant höhere Gesamtscores als die Kontrollgruppe (Mittelwert 11.4 vs. 7.3, p<0.001), was hauptsächlich auf eine verbesserte Erkennung stoma-spezifischer ABPs zurückzuführen war (6.6 vs. 1.6 von 8, p<0.001). Schlusfolgerung: Der strukturierte Medikationsanalyseansatz verbesserte erheblich das Erkennen stoma-spezifischer ABPs und erleichterte geeignete pharmazeutische Interventionen. Er bietet einen reproduzierbaren, praxisorientierten Rahmen zur Optimierung der medikamentösen Therapie und zur Verbesserung der Patientensicherheit bei Personen mit Ileostoma, insbesondere für Apotheker mit begrenzter Vorerfahrung in diesem spezialisierten Bereich.
Hehenberger et al. (2026) untersuchten diese Frage.