Diese Arbeit untersucht, wie politischer Einfluss auf die Zentralbank die makroökonomische Entwicklung im Deutschland der Zwischenkriegszeit prägte. Im Mittelpunkt steht die Reichsbank im Zeitraum von 1928 bis 1937, der sowohl die späte Weimarer Republik als auch die frühe Herrschaft des Nationalsozialismus umfasst. Mithilfe eines neu entwickelten Interventionsindex, der zwischen diskursivem Druck, direkten Weisungen und institutionellen Reformen unterscheidet, werden die Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit, Industrieproduktion, Inflation und Wechselkurs mit Local Projections geschätzt. Die Ergebnisse zeigen, dass politische Interventionen vor der Bankenkrise von 1931, als die Reichsbank noch an den Goldstandard gebunden war, kaum messbare Effekte hatten. Erst mit der Krise und dem Wegfall externer und institutioneller Beschränkungen konnten politische Akteure stärker auf die geldpolitische Entscheidungsfindung einwirken. Institutionelle Veränderungen nach 1933, insbesondere die Neuordnung der Reichsbankführung und die zunehmende staatliche Lenkung der Kreditvergabe, gingen mit einem spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit einher, wobei mehrere Faktoren gleichzeitig wirkten und die Ergebnisse daher vorsichtig zu interpretieren sind. Die Industrieproduktion wurde durch die intensivierte Kreditlenkung und die stärkere wirtschaftspolitische Steuerung unterstützt. Der Wechselkurs unterlag zunehmend direkter Kontrolle, während die Inflation durch Preisvorgaben und finanzielle Repression niedrig gehalten wurde. Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass Zentralbankunabhängigkeit weniger von rechtlichen Vorgaben als vom politischen Umfeld abhängt. Der historische Befund aus Deutschland liefert damit relevante Anhaltspunkte für aktuelle Debatten über politischen Einfluss auf die Federal Reserve, die türkische Zentralbank und die Europäische Zentralbank.
Stanislaus Ruhaltinger (Wed,) studied this question.
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