Dynamiken des Sprachkontakts in einem englischsprachigen Umfeld: Ein ganzheitlicher Überblick über das Mopan Maya in Belize Die vorliegende Studie untersucht die Dynamik des Sprachkontakts in einem englischsprachigen Umfeld, um einen ganzheitlichen Überblick über das zeitgenössische Belizische Mopan Maya (zBM) zu bieten. Die Studie basiert auf Daten, die im Rahmen einer linguistischen Feldforschung in Belize zwischen 2022 und 2025 gesammelt wurden. Um einen umfassenden Überblick zu geben, behandelt die Studie vier Forschungsfragen (FF). FF1 und FF2 konzentrieren sich auf extralinguistische Aspekte, FF3 untersucht linguistische Aspekte, und FF4 erforscht den Zusammenhang zwischen extralinguistischen und linguistischen Faktoren. FF1: Welche Sprachpraktiken weisen zBM-Sprecher auf? FF2: Welche Sprachideologien sind unter zBM-Sprechern verbreitet? FF3: Welche kontaktinduzierten Merkmale treten in der Sprache der zBM-Sprecher auf? FF4: Lassen sich Sprachpraktiken und Sprachideologien mit kontaktinduzierten Merkmalen in Beziehung setzen? Wenn ja, wie? Kapitel 1 legt das konzeptionelle und theoretische Fundament der Arbeit, indem relevante Literatur zu Sprachkontakt und Kontaktlinguistik diskutiert und zusammengefasst wird. Um Mopan als Sprache im Kontakt mit Englisch und Kriol in Belize zu positionieren, bietet Kapitel 2 eine Skizze ausgewählter struktureller Aspekte sowie einen Überblick über die vorgeschlagene Orthografie für zBM. Kapitel 3 erläutert die Methodologie der vorliegenden Studie und enthält zudem wichtige Hinweise zu Forschungs- und Ethikaspekten. Kapitel 4 zeigt, dass allgemeine Muster der zBM-Sprachpraktiken auf drei Typen von Mikro-Ökologien modelliert werden können: städtisch, ländlich und abgelegen. Diese drei Mikro-Ökologien lassen sich anhand von einem Schlüsselkriterium darstellen, das Sprachpraktiken beeinflusst, nämlich physische und virtuelle Mobilität. Von städtischen über ländliche bis hin zu abgelegenen Gebieten nimmt die Dominanz von Mopan ab, während die Dominanz von Englisch/Kriol zunimmt. Die Sprachpraktiken der zBM-Sprecher haben sich von Monolingualismus und begrenztem Bilingualismus mit Englisch in der ältesten Generation über Bilingualismus und einer aufkommenden Mehrsprachigkeit mit Englisch und Kriol in der mittelalten Generation hin zu weit verbreiteter Mehrsprachigkeit in der jüngsten Generation entwickelt. Kapitel 5 untersucht Sprachideologien und zeigt, dass diese nicht in Stein gemeißelt sind; sie werden immer wieder neu ausgehandelt, sind kontextabhängig und dynamisch. Während beispielsweise in Bezug auf Schriftsprache und formale Kommunikation eine konservative Sichtweise und puristische Einstellungen vorherrschen, wird für die (informelle) gesprochene Sprache eine moderne Haltung und Mehrsprachigkeitsakzeptanz befürwortet. Kapitel 6 untersucht Lehnwörter und deren Integration und beleuchtet die Verbindung zwischen Sprach- und Kulturkontakt. Die Mehrheit der heute im zBM vorkommenden spanischen Lehnwörter ist vollständig als Teil des Wortschatzes akzeptiert. Im Gegensatz dazu haben die meisten englischen und Kriol-Lehnwörter einen fremdsprachlichen Status. Spanische und englische Lehnwörter unterscheiden sich zudem hinsichtlich ihrer phonologischen und morphologischen Integration. Kapitel 7 widmet sich Numeralia und Numeralklassifikatoren. Die Mopan-Numeralia über drei waren in Guatemala aufgrund des Sprachkontakts mit dem Spanischen bereits inaktiv geworden. Im heutigen zBM treten englische Numeralia gemeinsam mit den spanischen Äquivalenten auf. Soziolinguistische Faktoren wie Alter und Geschlecht der Sprecher spielen eine Rolle, da sie indirekt den Gebrauch des Englischen indexieren. Es besteht außerdem erhebliche Variation sowohl zwischen Sprechern als auch innerhalb einzelner Sprecher in der aktiven Verwendung von Numeralklassifikatoren. Mopan-dominante Sprecher zeigen den höchsten Grad an Reduktion, während Englisch-dominante Sprecher den niedrigsten Grad an Reduktion aufweisen. Kapitel 8 behandelt Koordination und Subordination im Mopan aus historischer Perspektive und demonstriert die Veränderungen unter dem Einfluss indoeuropäischer Sprachen. Die Koordinations- und Subordinationssysteme des zBM veranschaulichen die vielfältigen Prozesse und Ergebnisse des Sprachkontakts. Durch den Kontakt verbreitete sich das Muster der syndetischen Koordination und Subordination, spezialisierte syndetische Marker entstanden, und Lehnkonnektoren wurden eingeführt, zunächst aus dem Spanischen und heute aus dem Englischen. Kapitel 9 zeigt, dass Sprachpraktiken und Sprachideologien sinnvoll mit den kontaktinduzierten Merkmalen im zBM in Beziehung gesetzt werden können. Es wird dargestellt, dass die allgemeine sprachliche Ökologie und die Populationsstruktur die Spracherfahrungen sowohl einzelner Individuen als auch der Gemeinschaft beeinflussen. Diese Spracherfahrungen prägen die Dominanzkonstellation der einzelnen Sprachen im mehrsprachigen Netzwerk über Sprachmodi und kommunikative Situationen hinweg. Es wird gezeigt, dass die unterschiedlichen Dominanzmuster in den verschiedenen Sprachmodi zu unterschiedlichen kontaktinduzierten Merkmalen im zBM führen.
Nicole Hober (Tue,) studied this question.
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