Diese Masterarbeit untersucht die Entwicklung und die Auswirkungen einer zunehmenden Externalisierung der EU-Migrationspolitik, wobei der Fokus insbesondere auf den jüngsten Kooperationsabkommen mit nordafrikanischen Partnerstaaten liegt (2023 mit Tunesien und 2024 mit Ägypten). Während die EU diese Abkommen als gleichberechtigte Partnerschaften darstellt, die auf ein gemeinsames Migrationsmanagement und die Stärkung von Handelsbeziehungen abzielen, identifiziert diese Studie eine tiefgreifende Diskrepanz zwischen definierten Zielen und den sozio-politischen Realitäten vor Ort. Methodisch folgt die Arbeit einem qualitativen Forschungsdesign, der Inhaltsanalyse von Experteninterviews, aufbauend auf einer fundierten Literaturübersicht. Die Ergebnisse zeigen, dass der Ansatz der Grenzexternalisierung die irregulären Ankünfte auf der zentralen Mittelmeerroute kurzfristig erfolgreich reduziert hat, jedoch zu erheblichen humanitären und strukturellen Kosten. Die Untersuchung legt auch dar, wie Partnerregime erheblichen Spielraum gewinnen, um politische und finanzielle Zugeständnisse zu erwirken, während sie diese Abkommen gleichzeitig instrumentalisieren, um ihre innenpolitische Position zu stärken und von Wirtschaftskrisen abzulenken. Dies hat zu der aktuellen Situation geführt, wo systematische Menschenrechtsverletzungen im Austausch für dichte Grenzen toleriert werden. Letztlich zeigt die Arbeit, dass die Auslagerung des Grenzschutzes an Drittländer es verabsäumt, Lebensbedingungen erheblich zu verbessern und Fluchtursachen zu beseitigen. Sie trägt somit zum Verständnis der komplexen Dynamiken bei, die mit der Externalisierung des EU-Migrationsmanagements verbunden sind und schließt mit der Empfehlung eines Kurswechsels hin zur Wiedergewinnung der Kontrolle über Migrationsthemen und der Wiederherstellung demokratischer Verantwortlichkeiten. Andernfalls könnten sich die Kosten der kurzfristigen Entlastung auf lange Sicht als unverhältnismäßig hoch erweisen.
Marvin El-Saka (Thu,) studied this question.