Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der geltende internationale Steuerrahmen, insbesondere die Artikel 5, 7 und 15 des OECD-Musterabkommens, geeignet ist, eine effektive Vermeidung der Doppelbesteuerung für Plattformarbeitnehmer im grenzüberschreitenden digitalen Arbeitsbereich zu gewährleisten. Die Analyse gliedert sich in vier Schritte: Zunächst wird die Natur digitaler Plattformen und der Plattformarbeit erfasst, anschließend werden die bestehenden Anknüpfungsregeln für die Besteuerung untersucht, danach werden die strukturellen Ursachen von Doppelbesteuerungsrisiken identifiziert, und schließlich werden aktuelle Reforminitiativen sowie mögliche rechtliche Lösungsansätze bewertet. Die Arbeit vertritt die These, dass der bestehende Rechtsrahmen strukturell nicht in der Lage ist, den Realitäten plattformvermittelter Arbeit gerecht zu werden. Es werden drei wesentliche Defizite herausgearbeitet: Erstens erzeugt die Unsicherheit bei der Arbeitnehmerklassifikation, die aus divergierenden nationalen Abgrenzungsstandards zwischen Arbeitnehmern und selbstständigen Auftragnehmern resultiert, systematische Qualifikationskonflikte unter den Artikeln 7 und 15, die das Verständigungsverfahren gemäß Artikel 25 lediglich reaktiv lösen kann. Zweitens bildet die im OECD-Musterabkommen verankerte binäre Einkommensklassifikation den hybriden Charakter der Plattformarbeit nicht ab, der Flexibilität mit erheblicher algorithmischer Kontrolle verbindet. Drittens schließt das Betriebsstättenkonzept gemäß Artikel 5, das auf physischer Präsenz beruht, grenzüberschreitende digitale Arbeit systematisch von der Quellenbesteuerung aus, während unilaterale Ausdehnungsversuche der Staaten das Risiko überlappender Besteuerungsansprüche bergen. Die Methodik ist rechtsdogmatisch und analytisch-kritisch ausgerichtet und stützt sich auf primäre Rechtsquellen, darunter das OECD-Musterabkommen und seinen Kommentar, EU-Rechtsakte und die Rechtsprechung des EuGH sowie rechtsvergleichende nationale Judikatur. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass aktuelle internationale Reformbemühungen, einschließlich der Zwei-Säulen-Lösung der OECD, DAC7 und der europäischen Digitalsteuer, primär auf multinationale Unternehmen ausgerichtet sind und die grundlegenden Herausforderungen für einzelne Plattformarbeitnehmer nicht lösen. Als kohärentester Lösungsweg werden eine Kombination aus harmonisierten Klassifikationsstandards für Plattformarbeitnehmer auf Abkommensebene, plattformbasierte Quellensteuerabzugspflichten, angepasste digitale Nexus-Regeln sowie Safe-Harbour-Bestimmungen für kleinvolumige grenzüberschreitende Tätigkeiten vorgeschlagen.
Laura Kõdar (Mon,) studied this question.