Dieser Aufsatz kritisiert die dominante eurozentrische Perspektive in der Modehistoriographie, die historisch Westeuropa als Geburtsort der Mode positioniert hat, während außereuropäische Kleidungs- und Modetraditionen in die statische Kategorie der „traditionellen Tracht“ relegiert werden. Gestützt auf die Arbeiten von Wissenschaftlern wie M. Angela Jansen, Carlo Marco Belfanti, Giulia Calvi und S. Özüdoğru dekonstruiert der Beitrag drei zentrale Themen: die angebliche Geburt der Mode im Europa des 14. Jahrhunderts, die traditionelle Periodisierung der Modegeschichte sowie die binäre Opposition zwischen „Mode“ und „Tracht“. Der Aufsatz zeigt, dass ausgeklügelte und dynamische Bekleidungssysteme bereits lange vor der sogenannten „Mode-Revolution“ Europas in China, dem Osmanischen Reich, der islamischen Welt und Afrika existierten. Er argumentiert, dass die Definition von Mode durch die Strukturen der kolonialen Moderne geprägt wurde, wodurch außereuropäische modische Traditionen systematisch aus dem akademischen und musealen Diskurs ausgeschlossen wurden. Im Rahmen eines dekolonialen Mode-Diskurses plädiert der Beitrag für einen inklusiveren und pluralistischeren Zugang zur Modegeschichte — einen, der ihre inhärent globale und vernetzte Natur erkennt und über eurozentrische Definitionen hinausgeht, um die volle Vielfalt des weltweiten modischen Erbes anzuerkennen.
Giuseppina Cuomo (Di.) untersuchte diese Frage.
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