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Die Verarbeitung emotionaler Sprache in Abwesenheit visueller Informationen beruht auf zwei auditiven Kanälen: Semantik und Prosodie. Bisher hat keine Studie untersucht, wie Blindheit diesen Prozess beeinflusst. Zwei Theorien, Wahrnehmungsdefizit und sensorische Kompensation, liefern unterschiedliche Erwartungen bezüglich der Rolle visueller Erfahrungen (oder deren Fehlen) in der Verarbeitung emotionaler Sprache. Um den Effekt von Sehen und frühen visuellen Erfahrungen auf die Verarbeitung emotionaler Sprache zu testen, verglichen wir Personen mit angeborener Blindheit (AB, n = 17), Personen mit Spätblindheit (SB, n = 15) und sehende Kontrollen (SK, n = 21) hinsichtlich der Identifikation und selektiven Aufmerksamkeit für semantische und prosodische gesprochene Emotionen. Die Ergebnisse zeigten, dass Personen mit Blindheit mindestens ebenso gut abschnitten wie SK, was die sensorische Kompensation und die Rolle der kortikalen Reorganisation unterstützt. Personen mit SB schnitten besser ab als Personen mit AB, was mit dem Wahrnehmungsdefizit übereinstimmt und die Rolle früher visueller Erfahrungen unterstützt. Der Vorteil von SB wurde durch exekutive Funktionen (Arbeitsgedächtnis) moderiert. Namentlich wurde der Vorteil für Personen mit AB aufgehoben, die höhere Niveaus exekutiver Funktionen aufwiesen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Sehen nicht notwendig für die Verarbeitung emotionaler Sprache ist, frühe visuelle Erfahrungen diese jedoch verbessern könnten. Die Befunde unterstützen eine Kombination der beiden vorgenannten Theorien und lehnen eine dichotome Sichtweise von Defiziten/Verbesserungen der Blindheit ab.
Ben‐David et al. (Fri,) untersuchten diese Frage.