Viele moderne Forscher lehnen Webers Hypothese über den Zusammenhang zwischen der Reformation und der Bildung des rationalen Kapitalismus ab. Es ist gerechtfertigt, den Kritikern zuzustimmen, dass Weber keine vollständige Theorie über den Ursprung des Kapitalismus präsentiert hat. Nichtsdestotrotz bietet die Weber-Hypothese Hinweise auf eine notwendige (aber nicht ausreichende) Bedingung für die Bildung des modernen Kapitalismus. Gleichzeitig erklärt sie nicht so sehr die Bildung des kapitalistischen Geistes im Prinzip – als etwas Unveränderliches und Einheitliches für alle Länder und Jahrhunderte – sondern ist vielmehr eine historisch Schlüsselepisode in der Entwicklung des Kapitalismus. Zum ersten Mal erfüllte der Protestantismus erfolgreich die Aufgabe, den Geist des Kapitalismus zu formen, da er eine Manifestation von Antitraditionalismus und Individualismus ist. Er ist auch offener für soziale Innovationen und trägt zur Zerstörung der Gemeinschaftsbindungen bei. Die Reformation schuf die ideologischen und psychologischen Voraussetzungen für die anfängliche Akkumulation von Kapital und trug zur Bildung kapitalistisch motivierter Klassen von Unternehmern und dem Proletariat bei.
О. К. Трубицын (Fri,) untersuchte diese Frage.