Die Arbeit untersucht kooperative Zwei-Personen-Verhandlungen mit Fokus auf die formale Modellierung asymmetrischer Verhandlungsmacht und die strukturellen Eigenschaften der Verhandlungsmenge. Ziel ist es zu verstehen, wie unterschiedliche Modellannahmen systematische Verzerrungen von Verhandlungsergebnissen erzeugen und wie konfliktgeladen eine Verhandlungssituation unabhängig von konkreten Lösungskonzepten ist. Zunächst werden asymmetrische Versionen der Nash- und der Kalai Smorodinsky-Lösung analysiert und zwei gängige Ansätze zur Modellierung von Verhandlungsmacht verglichen: gewichtete Lösungen und verschobene Drohpunkte. Es zeigt sich, dass beide Modellierungen zu systematisch unterschiedlichen Ergebnissen führen und dass schwächere Spieler je nach Lösungskonzept von unterschiedlichen Darstellungen profitieren. Darauf aufbauend wird untersucht, wie die Form der Verhandlungsmenge selbst Verzerrungen beeinflusst. Die Ergebnisse zeigen, dass Krümmung und Steigung des Pareto-Rands entscheidend dafür sind, welche Spieler von strukturellen Unterschieden profitieren. Abschließend wird mit dem Konfliktgehalt ein neues Maß eingeführt, das die strukturelle Schwierigkeit einer Einigung erfasst. Dieses Maß wird axiomatisch eindeutig charakterisiert und als normierte Standardreisezeit nach Perles und Maschler entlang des Pareto-Rands interpretiert. Der Ansatz ermöglicht es, Verhandlungsprobleme vergleichbar zu machen und Konflikt unabhängig von Verhandlungsmacht zu analysieren.
Thomas Streck (Tue,) studied this question.