Zusammenfassung In der Neudefinition für professionelle Pflege und Pflegefachpersonen des International Council of Nurses (ICN) zählt Advocacy (Fürsprache) zu den Kernaufgaben von Pflege. Im deutschsprachigen Raum gibt es hierzu eine erhebliche Forschungslücke. Die vorliegende Studie exploriert erstmals, wie deutsche Pflegefachpersonen in Akutkrankenhäusern advokatorisches Handeln verstehen, welche Motive, Situationen, Strategien und Konsequenzen damit verbunden sind. Zugleich zeigt sich, dass sich advokatorisches Pflegehandeln mit Anforderungssituationen aus den Konzepten von Lebensqualität, Spiritualität und Coping in Verbindung bringen lassen. Methode: Es wurden 15 leitfadengestützte Experteninterviews mit Pflegefachpersonen sowie 3 ergänzende Interviews mit einer Ergotherapeutin, einer Medizinstudentin und einem Assistenzarzt geführt. Die Auswertung erfolgte mittels der qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz/Rädiker ( 5 2022). Ergebnisse: Zentrale Motive advokatorischen Handelns sind die Realisierung persönlicher und berufsethischer Werte. Es konnten hilfreiche und hinderliche Faktoren identifiziert werden. Die interprofessionelle Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Dienst ist dabei von zentraler, oft konfliktbehafteter Bedeutung. Fazit: Advokatorisches Handeln ist ein bedeutsames Element professioneller Pflege in Deutschland. Die Förderung einer advokatorischen Haltung sowie unterstützender struktureller und kultureller Rahmenbedingungen ist essenziell, um die Patientenversorgung und die Arbeitszufriedenheit des Pflegepersonals nachhaltig zu verbessern. Advokatorisches Handeln fördert die Lebensqualität, Spiritualität und Coping-Bestrebungen der anvertrauten Menschen, auch wenn die deutsche Übersetzung der Neudefinition des ICN Spiritual Care nicht als Teilaufgabe professioneller Pflege ausweist.
Franziskus Knoll (Mon,) studied this question.
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