Chronischer Opioidkonsum wird mit verschiedenen sozialen Schwierigkeiten in Verbindung gebracht; die Evidenz zur sozio-kognitiven Funktionsfähigkeit von Opioidkonsument*innen ist jedoch uneindeutig. Die vorliegende Metaanalyse fasst bestehende Befunde zu sozio-kognitiven Fähigkeiten bei medizinischen und nicht-medizinischen chronischen Opioidkonsument*innen im Vergleich zu nicht konsumierenden Kontrollgruppen zusammen. Untersucht wurden Unterschiede in kognitiver und affektiver Empathie, Emotionserkennung und theory of mind. Es wurden die Hypothesen formuliert, dass chronischer Opioidkonsum mit Defiziten in allen diesen Bereichen einhergeht. Explorative Analysen prüften Variablen, die den Zusammenhang zwischen Opioidkonsum und sozio-kognitiver Leistung beeinflussen könnten, darunter die Dauer des Konsums sowie die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit. Die Analyse zeigte signifikante kleine Effekte für kognitive (Hedges’ g = 0,38, p < ,015) und affektive Empathie (Hedges’ g = 0,47, p < ,001), sowie signifikante mittlere Effekte für Emotionserkennung (Hedges’ g = 0,75, p < ,001) und große Effekte für theory of mind (Hedges’ g = 0,94, p < ,001). Vor dem Hintergrund aktueller Trends hin zu einem risikoreicheren Opioidkonsum kommt dieser Forschung eine besondere Bedeutung zu, insbesondere da Maßnahmen zur Verringerung opioidbedingter Probleme häufig auf wirksame soziale Interaktion mit den Betroffenen angewiesen sind. Durch die Klärung des Ausmaßes und der spezifischen Merkmale sozio-kognitiver Defizite kann die vorliegende Metaanalyse zur Entwicklung gezielter Interventionsansätze beitragen. In diesem Zusammenhang könnte spezialisiertes sozio-kognitives Training einen vielversprechenden Ansatz darstellen, um den Kreislauf zwischen sozialer Isolation und Opioidkonsum zu durchbrechen.
Tobias Höfler (Wed,) studied this question.