Das Prädationsrisiko ist ein entscheidender Faktor, der das Nahrungssuchverhalten von Bestäubern beeinflusst. Kolibris (Trochilidae) sind als häufige Blütenbesucher potenzielle Ziele von Lauerjägern wie Schlangen und Gottesanbeterinnen. In dieser Studie wurde experimentell untersucht, wie Körpergröße und Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Unterfamilien (hermits versus true hummingbirds) die Verhaltensreaktionen blütenbesuchender Kolibris bei der Konfrontation mit Prädatoren beeinflussen. Anhand von Videoanalysen aus insgesamt 840 Beobachtungsstunden in La Gamba, Costa Rica, wurden die Reaktionen von elf Kolibriarten in drei Behandlungsgruppen verglichen: Schlangen-Attrappen, Gottesanbeterinnen-Attrappen und eine Kontrollgruppe (weißes Taschentuch). Verhaltensparameter wie die Dauer der Annäherung an den Prädator sowie die Blütenbesuchsdauer wurden quantifiziert und mithilfe Generalisierter Linearer Gemischter Modelle (GLMMs) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigten, dass die Art der Behandlung einen signifikanten Einfluss auf das Verhalten der Kolibris hatte. Insgesamt benötigten die Vögel nahezu doppelt so lange, um sich den Prädator-Attrappen zu nähern, verglichen mit der Kontrollbedingung. Zwischen den Unterfamilien traten keine signifikanten Unterschiede auf. Größere Arten zeigten tendenziell längere Besuchsdauern in Anwesenheit potenzieller Prädatoren, was entweder auf eine geringere Scheu oder auf ausgeprägtere territoriale Kühnheit hindeuten könnte. Die Befunde legen nahe, dass die Körpergröße das Antiprädatorverhalten von Kolibris beeinflusst, während die Nahrungssuchstrategie (territoriales Verteidigen versus Trap-lining) eine geringere Rolle spielt.
Sofia Raffetseder (Wed,) studied this question.