ZUSAMMENFASSUNG Die Camp-Studien haben in den letzten Jahren merklich zugenommen. Während das Feld im Großen und Ganzen kritisch gegenüber Camps als räumlichen Technologien von Schutzhaft, biopolitischer Kontrolle, Minderheitenunterdrückung, rassistischer Segregation, Fürsorge, militarisierter Herrschaft und Kolonisation war, gab es eine Zurückhaltung, offenere abolitionistische Ansätze zu übernehmen, die in der Forschung zu anderen inhaftierten Räumen wie Gefängnissen oder Flüchtlingslagern zunehmend einflussreich geworden sind. In diesem Artikel behaupte ich, dass Camp Studies heute nicht einfach ein weiteres Feld abgetrennter akademischer Untersuchung bleiben kann, sondern eine Verantwortung für Solidarität mit den in Lagern lebenden Menschen in Gedanken und Handlungen hat. Wenn wir engagierte und kritische Wissenschaftler*innen von Camps sind, die sich für soziale Gerechtigkeit und Befreiung einsetzen, dann müssen wir unser Gewicht hinter die bereits sich entfaltenden abolitionistischen Praxen derjenigen werfen, die aktiv gegen ihre eigene Internierung kämpfen. Anstatt das Camp als eine begrenzte carcerale Technologie zu betrachten, die isoliert rückgängig gemacht werden kann, besteht die ultimative Aufgabe des carceralen Abolitionismus darin, die Gesellschaft neu zu imaginieren, Zugehörigkeit neu zu formulieren und den Nationalstaat abzubauen, sodass das Camp selbst als Lösung undenkbar wird.
Hanno Brankamp (Thu,) hat diese Frage untersucht.