Dieser Artikel untersucht, wie religiöse Erfahrung durch Genre in der Poesie des osmanischen Mawlawī-Schāichs Neshātī († 1674) des 17. Jahrhunderts artikuliert wird, mit Fokus auf den auffälligen Kontrast zwischen seinen Ghazals und Nicht-Ghazal-Kompositionen. Während Neshātīs Qaṣīdas, Mathnawīs und andere formale Genres eine explizite und direkte religiöse Sprache verwenden – die Gott, den Propheten, heilige Figuren und doktrinäre Themen anspricht –, dominieren in seinen Ghazals Bilder von Wein, Liebe und dem Geliebten, die auf den ersten Blick deutlich profan erscheinen. Anstatt diesen Kontrast als Zeichen von Säkularisierung oder doktrinärer Inkonsistenz zu lesen, argumentiert der Artikel, dass er eine bewusste poetische Strategie widerspiegelt, die durch den expressiven Stil des Ghazals geprägt ist. Durch eine genaue Lektüre von Neshātīs Dīwān zeigt die Studie, dass religiöse Bedeutung in Ghazals nicht fehlt, sondern bewusst implizit dargestellt wird. Anhand von Motiven wie Spiegel, Geheimnis (sirr), Vernichtung (fanāʾ fīʾllāh) und Zuständen spiritueller Kontraktion verwandelt Neshātī die Sprache der menschlichen Liebe in ein Vehikel für göttliche Erfahrung. In diesem Kontext tritt das Ghazal als ein Genre hervor, das sich besonders eignet, religiöse Bedeutung durch Mehrdeutigkeit, emotionale Intensität und symbolische Indirektheit statt durch offene doktrinäre Darstellung zu vermitteln. Indem Neshātī sowohl in die Mawlawī-Tradition als auch in die Ästhetik des Sabk-i Hindī eingeordnet wird, hebt dieser Artikel hervor, wie Genre religiösen Ausdruck in der osmanischen Poesie manifestiert. Er schlägt vor, dass die göttliche Begegnung in Neshātīs Werk weniger durch expliziten theologischen Diskurs als durch das affektive und symbolische Potenzial des Ghazals realisiert wird. Damit bietet die Studie eine neue Lesart von Neshātīs Poesie und leistet einen Beitrag zu breiteren Diskussionen über die Beziehung zwischen literarischem/lyrischem Genre, Mystik und religiöser Erfahrung in islamischen literarischen Traditionen.
Muhammed Tarik Ablak (Mon,) untersuchte diese Fragestellung.