Der Einsatz politischer Gewalt durch von der UN anerkannte nationale Befreiungsbewegungen ist bis heute eines der umstrittensten Themen in den Diskursen über Befreiungskämpfe. Während einige meinen, dass übermäßige Gewaltanwendung ein Symptom für „terroristische“ Bewegungen ist, weisen andere auf die Notwendigkeit von Gewalt hin, um das Endziel der Befreiung von einem kolonialen oder unterdrückerischen Regime zu erreichen. Beiden Perspektiven mangelt es an Differenziertheit, da dem Einsatz und der Intensität politischer Gewalt von Befreiungsbewegungen strategische und taktische Entscheidungen zugrunde liegen, welche zwar wesentlich mit internen Prozessen in der Konfliktzone verbunden, aber auch grundlegend von externen Einflüssen und globalen Reaktionen auf den Befreiungskampf geprägt sind. In meiner Masterarbeit, die als vergleichende globalhistorische Studie konzipiert ist, möchte ich aufzeigen, dass palästinensische und südafrikanische Befreiungsbewegungen, namentlich die PLO, der ANC und der PAC, den Einsatz politischer Gewalt von 1960 bis 1995 entsprechend ihrem globalen Umfeld einsetzten, anpassten und veränderten. Inspiriert von den Revolutionen und Befreiungskämpfen der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre planten alle drei langwierige Guerillakämpfe; ihre bewaffneten Kampagnen stützten sich auf bestehende Rahmenbedingungen der Guerillakriegsführung, reagierten auf globale Kritik an übermäßiger Gewaltanwendung und versuchten, die Meinung des globalen Publikums mit ihren Gegenerzählungen zum bewaffneten Kampf und den Behauptungen ihrer Gegner zu beeinflussen.
Dominik Sölkner (Thu,) studied this question.