Die Motivationen für die Teilnahme an politischen kollektiven Aktionen wurden in der Sozialbewegungsforschung eingehend untersucht. Den Akteuren, die solche Aktionen initiieren, koordinieren und aufrechterhalten - den Organisatoren -, wurde jedoch deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Studie schließt diese Forschungslücke, indem sie die Motivationen junger Ukrainer untersucht, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 organisatorische Rollen in politischen kollektiven Aktionen übernehmen. Die Studie analysiert die Motivationen junger Menschen, sich in politischen kollektiven Aktionen zu organisieren und von der Teilnahme zur aktiven Mitwirkung überzugehen. Zur Konzeptualisierung und Analyse von Motivation wird das Social Identity Model of Collective Action (SIMCA) (van Zomeren 2013) als analytischer Rahmen angewendet und durch das Konzept der Motivation durch soziale Eingebundenheit (van Stekelenburg und Klandermans 2013) ergänzt. Die Studie verwendet ein qualitatives Forschungsdesign mit halbstrukturierten Interviews. Als Fallbeispiel dienen junge ukrainische Organisatoren, die in Wien an Demonstrationen, Gedenkveranstaltungen, politischen Aktionen und Sensibilisierungsmaßnahmen beteiligt sind. Ergänzt wird die Analyse durch ein Interview mit einem Organisator in Berlin. Dieses dient als kontrastierende Perspektive zur Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden sowie zur Beurteilung, inwieweit der lokale Kontext die Organisationspraxis prägt. Das Interview wird nicht als zweite Fallstudie, sondern als Kontextualisierung betrachtet. Die Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayrings (2014) induktiver Kategorienbildung analysiert. Dieser Ansatz wurde gewählt, da er die induktive Ableitung neuer Informationen aus dem Forschungsmaterial ermöglicht, aufbauend auf zuvor deduktiv gebildeten Kategorien, die den theoretischen Rahmen ergänzen können. Die Ergebnisse zeigen, dass Organisatoren dieselben zentralen Motivationsmuster aufweisen wie Teilnehmer, darunter Selbstwirksamkeit, kollektive Identität, emotionale Motivation und moralische Überzeugungen. Gleichzeitig deckt die Studie wichtige Unterschiede in der Struktur und Intensität dieser Motivationen auf. Das Gefühl moralischer Pflicht und anhaltender Verantwortung erweist sich als besonders stabile und dominante Triebkraft der Organisierung, während Emotionen wie Wut mit der Zeit an Intensität verlieren und selbstbezogener Druck in den V ordergrund rückt. Darüber hinaus fungiert soziale Eingebundenheit als eigenständige Motivationsdimension, indem sie den Übergang von der Teilnahme zur Organisierung erleichtert und langfristiges Engagement fördert. Durch die Fokussierung auf Organisatoren anstatt auf Teilnehmer schließt diese Masterarbeit eine wichtige Lücke in der Forschung zu kollektivem Handeln und leistet einen Beitrag zur modernen Sozialbewegungsforschung, indem sie das Phänomen der Organisatoren im politischen kollektiven Handeln in demokratischen Kontexten beleuchtet.
Veronika Arbatova (Thu,) studied this question.