Erstakademiker*innen, definiert als Studierende deren Eltern keinen Hochschulabschluss erworben haben, erfahren zahlreiche Benachteiligungen im akademischen Leben im Vergleich zu Nicht-Erstakademiker*innen. Einige dieser Benachteiligungen können darauf zurückzuführen sein, dass Erstakademiker*innen sich selbst als weniger begabt als andere Studierende einschätzen. Folglich, in einer Umgebung, in der Begabung als wesentlich für den Erfolg wahrgenommen wird, tendieren Erstakademiker*innen größere Benachteiligungen zu erfahren als in einer Umgebung, in der Einsatz und Anstrengung im Vordergrund stehen. Frühere Forschungsarbeiten untersuchten die Auswirkungen talent-fokussierter Umgebungen auf das Engagement von Studierenden bei der Bearbeitung herausfordernder akademischer Aufgaben und zeigten dabei ein geringeres Engagement von Erstakademiker*innen im Vergleich zu Nicht-Erstakademiker*innen. Die vorliegende Studie wurde mit Psychologie-Studierenden an der Universität Wien (N = 201) durchgeführt. Sie erweitert die frühere Forschung, in dem sie den Einfluss der Umgebung auf das soziale Engagement von Erstakademiker*innen untersucht, gemessen an ihrer aktiven Beteiligung an einer Gruppendiskussion über ein nicht-akademisches Thema. Entgegen den Erwartungen wurden in der talent-fokussierten Umgebung keine signifikanten Unterschiede im sozialen Engagement zwischen Erstakademiker*innen und Nicht-Erstakademiker*innen gefunden. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass sich der Einfluss eines talent-fokussierten akademischen Umfelds auf das soziale Engagement von Erstakademiker*innen vom Einfluss auf ihr Engagement bei der Bearbeitung akademischer Aufgaben unterscheidet und verdeutlich die Notwendigkeit, andere Studierendengruppen sowie alternative experimentelle Setups zu untersuchen. Dieser Befund, zusammen mit weiteren Erkenntnissen aus den zusätzlichen Analysen, leistet einen wertvollen Beitrag zum Verständnis des Verhaltens von Studierenden in Hochschulen und bietet einen Ausgangspunkt für zukünftige Forschung. Letztlich kann diese Forschung dazu beitragen, ein akademisches Umfeld zu schaffen, welches das Engagement von Erstakademiker*innen fördert und damit unterstützt, die Studienabbruchquote und spätere Nachteile auf ihrem Karriereweg zu reduzieren.
Veronica Nobati (Wed,) studied this question.