Die durch Organophosphate induzierte verzögerte Neuropathie (OPIDN) ist eine seltene, chronische Manifestation einer Organophosphatvergiftung (OP), die typischerweise Tage nach der Exposition auftritt und Menschen sowie andere Tiere betrifft. Hier beschreiben wir die epidemiologischen, klinischen und pathologischen Merkmale von 2 verdächtigen Ausbrüchen von OPIDN bei australischen Merinoschafen in Uruguay nach kutaner Exposition gegenüber OP. Die Ausbrüche traten bei Lämmern 21 und 44 Tage nach einer einmaligen Exposition gegenüber Pirimiphos-Methyl bzw. Diazinon auf und betrafen jeweils mehrere hundert Tiere. Betroffene Tiere hatten massive Hautperforationen, verursacht durch Nassella charruana (d.h. flechilla oder Lappen-Nadelgras) - ein einheimisches Gras des Pampa-Bioms, das in uruguayischen Naturrasen weit verbreitet ist - was wahrscheinlich die dermale Absorption von OP erleichterte. Die histologische Untersuchung zeigte axonale Sphäroide, Vakuolisation und variable Zahlen von Verdauungskammern in den zervikalen, lumbalen und sakrokokzygealen Rückenmarksegmenten, überwiegend in Bezug auf das ventrale Horn, den propriospinalen Trakt sowie die dorsalen und lateralen Stränge. Wir schlagen vor, dass die kutanen Läsionen ein kritischer prädisponierender Faktor für die OP-Absorption und die anschließende Entwicklung von OPIDN waren. Das Management der einheimischen Nassella spp. in Weidegebieten könnte als prophylaktische Strategie zur Minderung des Risikos einer OP-Toxikose auf Schafhöfen dienen, wo dermale Wege für antiparasitäre Behandlungen verwendet werden.
Sousa et al. (Mon,) haben diese Frage untersucht.