Explorative analysis uncovers Kafka references in digital games, highlighting intertextuality's significance.
Dîlan Canan Çakir (Freie Universität Berlin), Manuel Burghardt (Computational Humanities Gruppe, Universität Leipzig), Mark Schwindt (FU Berlin) Game Studies und Digital Humanities sind zwei Felder, die in besonderer Weise Interdisziplinarität verkörpern und aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen, wie digitale Medien neue Formen kultureller Ausdrucks- und Erkenntnisprozesse ermöglichen. Im Zentrum des Leipziger Projekts Kafka in Play steht das Phänomen Franz Kafka und seine intertextuelle und intermediale Präsenz in digitalen Spielen. Ziel ist es, die vielfältigen Verweise auf Werk und Person Kafkas in Spielen zu erfassen, zu klassifizieren und in ihrer medialen Ausprägung zu analysieren.Dazu erfolgt zunächst ein entscheidender Übersetzungsschritt: Das multimodale Phänomen Spiel wird in eine sprachliche Repräsentation (vgl. „the language of gaming“; Ensslin, 2017) überführt. Dabei handelt es sich um textuelle Beschreibungen von Spielen, wie sie in großer Zahl online verfügbar sind – etwa in Spieleforen, Reviews oder Walkthroughs (vgl. Burghardt & Tiepmar, 2021). Mit Methoden des Text Mining wird in solchen Dokumenten nach Spuren Kafkas im digitalen Spiel gesucht. Die im Rahmen des Posters vorgestellten ersten Experimente konzentrieren sich auf eine explorative Typologie dieser Referenzen. Sie reichen von expliziten Verweisen auf die Person Franz Kafka (vgl. The Franz Kafka Videogame) über Anspielungen auf sein Werk (vgl. Metamorphosis oder Playing Kafka) bis hin zu subtilen, indirekten Anspielungen (vgl. Resident Evil 2, ATOM RPG). Dabei werden verschiedene Modi der Bezugnahme – textuelle, visuelle und ludologische, d.h. in der Spielmechanik verankerte – unterschieden, um das Spektrum der intermedialen Kafka-Rezeption im Medium Spiel sichtbar zu machen. Die Analyse solcher Referenzen eröffnet nicht nur neue Einblicke in die digital-vermittelte Rezeption kanonischer Literatur, sondern legt zugleich Rezeptionsspuren bei den Spielenden frei – etwa, was als Kafka-Referenz wahrgenommen oder gar als kafkaesk empfunden wird. Erste Befunde deuten hier auf eine zunehmende Verselbständigung kafkaesker Bilder hin, wie sie in der Literatur bereits als „popkafkaeske“ Umdeutungen beschrieben wurden (Krauß, 2022).Mit dem Poster wird exemplarisch aufgezeigt, wie digitale Medien, computergestützte Verfahren und geisteswissenschaftliche Interpretation in produktiven Austausch treten können um so Phänomene der Intertextualität und der Remediatisierung im digitalen Zeitalter zu untersuchen.Literatur:– Burghardt, M., & Tiepmar, J. (2021). The Game Walkthrough Corpus (GWTC)–A Resource for the Analysis of Textual Game Descriptions. Journal of Open Humanities Data, 7.– Ensslin, A. (2017). The language of gaming. Bloomsbury Publishing.– Krauß, F. (2022). Kafka und das Kafkaeske. Lektüren aus rezeptionstheoretischer Sicht (Die Sorge des Hausvaters; Der Proceß; Das Schloß; Der Verschollene) (Doctoral dissertation, Dissertation, Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), 2022).
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Çakir et al. (2025) studied this question.
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