Zusammenfassung Unter Galtungs zahlreichen Artikeln aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre finden wir zwei über Diplomatie, einen über Muster der Diplomatie, co-geschrieben mit Mari Holmboe Ruge, und einen über Gipfeldiplomatie. Besonders letzterer ist bemerkenswert als Vorbote dessen, was kommen sollte. Zu dieser Zeit lagen die Diplomatischen Studien in den Händen von (hauptsächlich) ehemaligen Praktikern wie Sir Ernest Satow und Sir Harold Nicolson, die Handbücher und Übersichten schrieben. Während das British Committee on International Studies gleichzeitig mit Galtung wichtige Arbeiten produzierte, handelte es sich bei diesen grundsätzlich um rechtshistorische Arbeiten. Erst in den 1980er Jahren erfuhren diplomatische Studien eine akademische Professionalisierung entlang der von Galtung vorangetriebenen soziologisierenden Linien. Dieses Stück präsentiert und bewertet Galtungs Hauptartikel, skizziert dessen Rezeptionsgeschichte im Rahmen einer umfassenderen Diskussion über das Aufkommen der Diplomatischen Studien und bewertet dessen anhaltende Bedeutung. Die grundlegende Erkenntnis ist, dass, als die Strukturanalyse in Gestalt Bourdieusianer statt Galtungianer in die Diplomatischen Studien einbrach, es daran lag, dass Bourdieu und andere Strukturalisten der grundlegenden wissenschaftlichen Regel folgten, dass man den Dialog mit anderen suchen muss, die an ähnlichen theoretischen Themen arbeiten. Galtung tat dies nicht. Man kann spekulieren, ob dieser Punkt breitere Relevanz hat, sodass Galtung von einem wissenschaftlichen Wissensproduktionsmodus zu einem prophetischen wechselte, gerade weil er aus dem wissenschaftlichen Diskurs gedrängt wurde. Galtung, der Wissenschaftler, wurde mit seinem eigenen Sprengsatz hochgehoben.
İver B. Neumann (Fr,) hat diese Frage untersucht.